Produktinformation
Woyzeck. Studienausgabe

Woyzeck. Studienausgabe
Von Georg Büchner

Preis: EUR 5,00 Kostenlose Lieferung Details

Verfügbarkeit: Gewöhnlich versandfertig in 24 Stunden
Versand und Verkauf durch Amazon.de

67 neu oder gebraucht verfügbar EUR 1,35

Durchschnittliche Kundenbewertung:
(41 Kundenrezensionen)

Produktbeschreibung

Als Büchner im Februar 1837 starb, hinterliess er ein Konvolut von vier Entwurfshandschriften, deren Text diese Studienausgabe auf drei Stufen wiedergibt.....


Produktinformation

  • Amazon-Verkaufsrang: #644 in Bücher
  • Veröffentlicht am: 1999
  • Einband: Taschenbuch
  • 211 Seiten

Aus der Amazon-Redaktion

Aus der Amazon.de-Redaktion
Eigentlich hat es das Jahrhundertdrama Woyzeck nie gegeben. Bekanntlich hat Georg Büchner seine wohl im Sommer 1836 in krakliger, nahezu unleserlicher Handschrift im Straßburger Exil begonnene Tragödie über den kleinen Soldaten, den eine übermächtige Umwelt und der eigene Wahnsinn zum Mord an seiner Geliebten treiben, nie zum Abschluß gebracht: Es existieren nur diverse Neu-, Lese- und Bühnenfassungen, von denen jede beansprucht, authentischer als die anderen zu sein.

Selbst diese Rekonstruktionen aber illustrieren Büchners bestechende dramaturgische Meisterschaft: Wie es ihm in einer fast filmisch scharf geschnittenen Szenenfolge gelingt, Woyzecks Vorgesetzten mit wenigen Worten als hilflosen Unmenschen zu karikieren, der sich in Tautologien verheddert ("Moral ist, wenn man moralisch ist"), oder den kantianischen Doktor bloßzustellen, der den armen Titelhelden für "ein paar Groschen täglich" als Versuchstier mißbraucht, ist in der deutschen Literatur ohne Parallele.

Als schließlich der schneidige Tambourmajor wie ein Gockel beim Zapfenstreich vor Woyzecks Geliebter Marie herumstolziert, um sie zu verführen, ist die Menagerie männlicher Triebe vollständig und mit knappsten Mitteln vorgeführt. Denn auch in den Regieanweisungen herrscht eine rationelle Perfektion, die langes Reden überflüssig macht: Wenn Büchner seinen Woyzeck zum Stöckeschneiden aufs freie Feld schickt, dann ist sein niederer Militärrang wie nebenbei ausreichend eingeführt. Und wenn er Marie in ihrer Kammer zeigt, wie sie sich selbst mit den Ohrringen des Tambourmajors in einer spitzen Scherbe spiegelt, kommt einem unweigerlich Gretchens Sehnsucht nach dem Besitz des mephistophelischen Hals- und Ohrschmucks in Goethes Faust in den Sinn. Besser -- und anspielungsreicher -- kann man kaum schreiben: Jede Metapher des Dramas spitzt das Geschehen etwas mehr auf das grausige Ende zu: Da nämlich zieht Woyzeck seiner Marie mit dem Messer ein blutiges "Halsband" über die Kehle. Gemeinhin gilt Woyzeck als erstes soziales Drama und damit als gravierender Einschnitt der deutschen Literaturgeschichte. Tatsächlich erzählt es von der unausweichlichen Ungerechtigkeit und Grausamkeit der Welt: Radikaler noch als in Büchners Dantons Tod ist hier das Scheitern revolutionärer Ideale, das Ende der Geschichte, in jeden Satz mit eingekerbt. Als Woyzeck dem Hauptmann beim Rasieren das Messer an den Hals setzt, ohne sich der machtvollen Möglichkeiten seines Tuns bewußt zu sein, ist dies aufs Anschaulichste ausgedrückt. Es ist ein ungeheuer dichtes Bild voll rätselhafter, erschreckender Poesie -- auch was das angeht, ist vielleicht nur Büchners unterschätzte Komödie Leonce und Lena mit ihrer absurden Komik noch ein wenig schöner.

"Er läuft ja wie ein offenes Rasiermesser durch die Welt", bemerkt der Hauptmann einmal über Woyzeck, "man schneidet sich an ihm". An dieser politischen und sprachlichen Schärfe hat auch Büchners sezierendes Drama bis heute nichts verloren. --Thomas Köster

Pressestimmen
"Grundlage dieser Ausgabe sind mehrjährige Studien der Georg-Büchner-Forschungsstelle an der Marburger Philipps-Universität. Die Wissenschaftler Professor Burghard Dedner und Thomas Michael Mayer haben alle 'Woyzeck'-Handschriften Büchners durchgearbeitet und komplett neu ediert. Diese Ausgabe enthält unter anderem eine Lese- und Bühnenfassung, die endlich auch den Streit beenden dürfte, wie das Drama 'Woyzeck' zu spielen ist (...). In der Reclam-Studienausgabe ist die Szenenfolge nun wissenschaftlich abgesichert." -- Oberhessische Presse

Manfred Weber über seine Inszenierung von
Es gibt eine sehr gute Fassung von Henri Poschmann. Seine Fassung ist bestimmt von einem entstehungsgeschichtlichen Interesse und von einem theatralischen. Ich habe gemerkt, daß diese Fassung durch eine Mehrzahl von Figuren ein größeres gesellschaftliches Panorama entwickelt. Das ist die Textvorlage für Dzevad Karahasans neue Übersetzung.