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Irre - Wir behandeln die Falschen: Unser Problem sind die Normalen - Eine heitere Seelenkunde

Irre - Wir behandeln die Falschen: Unser Problem sind die Normalen - Eine heitere Seelenkunde
Von Manfred Lütz

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  • Amazon-Verkaufsrang: #11 in Bücher
  • Veröffentlicht am: 2009-09-14
  • Originalsprache: Deutsch
  • Einband: Gebundene Ausgabe
  • 208 Seiten

Aus der Amazon-Redaktion

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Hitlers Taten waren abscheulich. Doch der Diktator war nicht psychisch krank, sondern normal. Statistisch gesehen verüben psychisch Kranke sogar weniger Straftaten als Normale, weiß Psychiater Manfred Lütz aus dem Klinikalltag zu berichten. In seinem Streifzug durch die Spielarten der menschlichen Psyche versucht der Autor, das Wesentliche von Psychiatrie und Psychotherapie darzustellen. Prima, wenn endlich jemand anschaulich erklärt, worüber viele sprechen, aber nur wenige wirklich eine Ahnung haben.

Hauptsächlich dreht es sich um psychische Krankheiten und gängige Therapien. Zunächst führt uns Lütz jedoch vor Augen, wie sehr das Verhalten psychisch Gesunder seltsame Blüten treibt. „Normalos“, die in stumpfer und spießiger Atmosphäre vor sich hindümpeln, bekommen genau so ihr Fett ab wie diejenigen, die Blödsinn professionell erzeugen. Dazu zählt Lütz die Ergüsse von Dieter Bohlen, Paris Hilton oder wilde esoterische Pendeleien.

Zugegeben, das Inhaltsverzeichnis sieht arg nach Seminararbeit aus. Die Stärke des Buches macht aus, dass Lütz viele plastische Beispiele anbietet, um nackte Theorie mit Leben zu füllen. So verstehen Laien besser, was zum Beispiel Depressive von Manikern unterscheidet. Und wenn wir erfahren, wie eine Patientin einmal die Bundeswehr aufmischte, öffnet sich die Pforte zum Reich der netten Anekdote.

Bei der neuen „Volkskrankheit“ Alzheimer konstatiert Lütz: „Wie eine Gesellschaft mit ihren Demenzkranken umgeht, das ist die Nagelprobe für ihre Menschlichkeit.“ Ergo ist die von Lütz angekündigte „heitere Seelekunde“ so lustig nun auch wieder nicht. Tatsächlich fehlt es Lütz nicht am nötigen Ernst, wenn etwa dargelegt wird, wie wenig Wahlfreiheit Süchtige haben, was im Wahnsystem schizophrener Patienten passiert oder wann Psychopharmaka eine befreiende Wirkung entfalten.

Dass wir die Falschen behandeln, wie der Untertitel des Buches reißerisch ankündigt, erweist sich als zu viel des Guten. Auf alle Fälle gilt: „Das mutwillige oder zynische Suchen nach Defiziten bei gesunden Menschen ist menschenunwürdig“, wie der Psychiater und Arzt vor Risiken und Nebenwirkungen der Lektüre warnt. Und während die einen die bisweilen betont locker-flockige Art des Autors weniger mögen, sehen andere darin eine souveräne Haltung voll heiterer Demut. Unter dem Strich lautet deshalb die Diagnose des Kritikers: Prädikat wahnsinnig lesenswert!
– Herwig Slezak

Kurzbeschreibung
Der ganz normale Wahnsinn - in Kurzform

- Ein kabarettistisches Meisterstück: launig-satirisch und informativ-verständlich - Aufklärung über wahnsinnig Normale und ganz normale Wahnsinnige - Den Merkwürdigkeiten der menschlichen Seele auf der Spur - Für einen veränderten Umgang mit unseren Mitmenschen - Mit einem Vorwort von Eckart von Hirschhausen

Bestsellerautor Manfred Lütz führt uns in die außergewöhnliche Welt der rührenden Demenzkranken, hochsensiblen Schizophrenen, erschütternd Depressiven, mitreißend Manischen und dünnhäutigen Süchtigen. Er holt die psychisch Kranken gleichsam aus dem professionellen Ghetto. Seine These: »Um die Normalen zu verstehen, muss man erst die Verrückten studiert haben.« Sein Ziel: Auf 208 Seiten die ganze Psychiatrie und Psychotherapie allgemeinverständlich, humorvoll und auf dem heutigen Stand der Wissenschaft darzustellen. Unmöglich? Nicht, wenn der Autor Manfred Lütz heißt. Seine »Gebrauchsanweisung für außergewöhnliche Menschen und die, die es werden wollen« ist ein Muss für alle, die sich für die Merkwürdigkeiten der menschlichen Seele interessieren.

Über den Autor
Dr. Manfred Lütz, geb. 1954, Psychiater, Psychotherapeut, Chefarzt des Alexianer-Krankenhauses in Köln, Theologe und Bestseller-Autor. In seinen Büchern befasst er sich aus der Sicht eines Psychotherapeuten satirisch und humorvoll mit Gesundheitsthemen wie auch mit religiösen Fragestellungen. Seine letzte erfolgreiche Veröffentlichung war "Gott. Eine kleine Geschichte des Größten".


Kundenrezensionen

Ein Buch über "außergewöhnliche" Menschen5
Manfred Lütz, Psychiater, Psychotherapeut und Theologe, möchte uns als Leser mit seinem Buch "Irre!" einen Blick auf die vielfältige Welt psychisch Kranker werfen lassen, uns einen Richtungswechsel unserer Blickweise ermöglichen, für Verständnis werben und klarstellen: das Gegenteil von "normal" ist "außergewöhnlich"!.

Im ersten Teil erläutert der Autor, warum wir Normalen das Problem sind. Mit viel rheinischem Humor erzählt er über den ganz normalen Wahnsinn und Blödsinn. Durch viele Beispiele veranschaulicht er sein Anliegen. So sind z.B. selbst ernannte Pop-Titane, sich selbst inszenierende Hotelerbinnen Blödsinn, aber sie sind blödsinnig Normale. Diktatoren, die Kriege anzetteln, sind wahnsinnig, aber trotzdem wahnsinnig Normale.

Im zweiten Teil befasst sich der Autor mit dem (Un)sinn einer Behandlung. Er macht deutlich, dass nicht jedes von der Norm abweichende Verhalten einer Diagnose Bedarf, ja dass die Diagnose nur ein Code ist, um eine adäquate Behandlung einzuleiten.
Auch muss nicht alles "wegbehandelt" werden. Von Ausnahmen abgesehen (Selbst- oder Fremdgefährdung) ist einziger der Leidensdruck entscheidend, der aus einem außergewöhnlichen Menschen einen Patienten für Psychiatrie oder Psychotherapie macht.

Im dritten Teil folgt eine Seelenkunde, in der Manfred Lütz anhand zahlreicher Beispiele aus seiner Praxis häufige psychische Erkrankungen, Demenz, Sucht, Schizophrenie, bipolare Störungen, Traumata, Angst- und Panikstörungen, Zwänge, Essstörungen und dissoziative Störungen näher erläutert und auf mögliche Therapien eingeht. Dabei wird klar, dass selten eine rein medikamentöse oder rein psychotherapeutische Behandlung ziel führend ist. Nicht nur Psychopharmaka, auch eine nicht angepasste Psychotherapie kann Nebenwirkungen haben.
Gesondert geht Lütz auf Persönlichkeitsstörungen ein und ob und wann Behandlungsbedarf dabei besteht.

Das Buch ist ein leidenschaftliches Plädoyer gegen die "Diktatur der Normalität", gegen eine "political correcte Normalgesellschaft", in der alle anormalen, alle außergewöhnlichen, alle auffälligen Menschen mit Hilfe von Diagnosen in eine einheitliche Uniform gepresst werden.

Der Autor versteht es diese Sachverhalte auf knapp 200 Seiten allgemeinverständlich und humorig darzulegen. Die Welt der psychisch Kranken, die man sich dunkel und öde vorstellt, bekommt auf liebenswerte Art schillernde Farben, faszinierende und bisweilen ausgelassenen und humorige Aspekte.
Manfred Lütz' Ansichten werden nicht allen Psychiatern/Psychotherapeuten und "Normalen" gefallen.
Aber, wenn ich an einem psychischen Problem leiden würde, würde ich mich Ihnen bedenkenlos anvertrauen, Herr Lütz.

Zu wem gehöre ich?4
Eine Kommilitonin meinte mal, dass 95% der Menschen einen Schaden haben. Ihre These kann ich nur unterstützen und bereits vor meinem Psychologiestudium beschlich mich des öfteren der Gedanke, dass alle nicht ganz normal seien. Manchmal war es mir, als sei ich der eigentliche irre und das Tollhaus, die Gesellschaft rund um mich herum, sei der ganz normale Wahnsinn. Doch dies ist natürlich nur eine humorvolle Betrachtung. In Tat und Wahrheit sehe ich mich kerngesund, ich leide nicht. Obwohl schizophrene oder manische Personen auch völlig davon überzeugt sind normal zu sein. Muss ich mir jetzt sorgen machen?

Manfred Lützes Buch geht genau in die Richtung der Betrachtung zwischen normal und irre. Dabei vertritt er schlicht die provokante These, dass die Normalität eigentlich zu behandeln sei. Seine schon fast anmassend klingende Aussage untermauert er Anfangs mit sehr viel Humor. Im Weiteren beschreibt er einiges zur Geschichte der Psychiatrie und beleuchtet in unserer Gesellschaft oft missverstandene psychische Krankheiten. Objektiv und professionell geht er mit dem Thema der Medikation um. An vielen sehr unterhaltenden Beispielen zeigt er wie Personen behandelt werden und, dass diese eigentlich ganz liebenswerte Leute sind, mit denen man ganz gut zurecht kommt, wenn man etwas Geduld aufbringt.

Dieses Buch ist interessant für all jene Leute, die nicht wissen was die Psychiatrie ist. Es half mir persönlich viele Vorurteile ab zu bauen. Denn nicht nur der Psychologie gegenüber sondern vor allem gegenüber Psychiatrie gibt es noch sehr viele Vorurteile. Eine psychische Krankheit ist in unserer Gesellschaft noch nicht als Krankheit akzeptiert sondern die Betroffenen werden oft stigmatisiert.

Als Leser muss man sich jedoch immer vor Augen halten, dass dieses Buch als populärwissenschaftlicher Kassenschlager konzipiert wurde. So werden die provokanten Thesen immer wieder gebetsartig wiederholt. Diverse Interviews mit Manfred Lütz lassen sich inhaltlich praktisch gar nicht mehr unterscheiden. Trotzdem find ich es ein gelungenes Werk, denn gegen die Vermarktung guten Humors habe ich nichts einzuwenden.

http://www.braindump.ch/2009/11/15/manfred-lutz-irre-wir-behandeln-die-falschen/

Paukenschlag gegen Vorurteile5
"Es ist leichter, ein Atom zu spalten, als ein Vorurteil." (Albert Einstein)

Gegenüber psychisch kranken Menschen gibt es in Deutschland zahlreiche Vorurteile. Der Psychiater und Psychotherapeut Dr. Manfred Lütz lenkt zunächst die Aufmerksamkeit auf gängige Sichtweisen von Wahnsinn, Blödsinn und Normalsinn. Mächtige Politiker der Vergangenheit nimmt er ebenso unter die psychiatrische Lupe wie öffentlichkeitswirksame Personen der Gegenwart. In diesem Zusammenhang wird der verhängnisvolle Einfluss von Normalen auf landesweit übliche Sichtweisen erläutert. Der mittlere Teil des Buches befasst sich mit der Frage nach Sinn und Unsinn der Behandlung von Menschen. Die Grenzen zwischen kreativem Genie und lähmendem Wahnsinn werden veranschaulicht. Abschließend folgt eine Seelenkunde über die gängigsten psychischen Erkrankungen in Verbindung mit lösungsorientierten Behandlungsansätzen für seelische Störungen wie: Demenz, Sucht, Schizophrenie, Depression/Manie und Traumata.
Zur Einführung in das Thema beginnt der Autor mit einem Paukenschlag! Er betrachtet Personen mit Weltruf bezüglich ihres Gesundheitszustandes. Die Antworten sind unbequem bis überraschend. In jedem Fall stimmen sie nachdenklich. Bei Personen des Show-Business zeigt Manfred Lütz wenig Einfühlungsbereitschaft, wenn deren Erfolge offensichtlich auf Kosten anderer erzielt werden. Das gilt auch dann, wenn Nachwuchstalente ihren Weg ganz anders empfinden.
Am Beispiel von Franz von Assisi wird veranschaulicht, wie verhängnisvoll es wäre, würde man pauschal die Kriterien der Psychiatrie auf hochbegabte Menschen anwenden. Die Frage nach den Früchten sollte daher stets eine übergeordnete Rolle für die Beurteilung menschlichen Handelns spielen.
Den vielleicht wichtigsten Tei des Buches bildet die abschließende kleine Seelenkunde. Die Stärke des Autors besteht darin, scheinbar komplizierte Sachverhalte allgemein verständlich auszudrücken. Spätestens beim Thema Demenz wird deutlich, dass sich hinter dem anfänglich betont kämpferisch wirkenden Autor ein außerordentlich geduldiger und liebevoller Seelsorger verbirgt.
Manfred Lütz verwendet gerne Extrembeispiele. In diesem Fall ist das hilfreich, weil es darum geht, gängige Vorurteile aufzubrechen. Sein Buch ist ein außerordentlich wichtiger Beitrag in einer Zeit, in der aufgrund mangelnder Kenntnisse die Vorurteile gegenüber seelischen Erkrankungen immer noch überwiegen. Die Heilungschancen mit Hilfe eigener Kraftquellen, lösungsorientierter Mediziner und einer von Vorurteilen befreiten Gesellschaft könnten so manche Hürde zur Heilung abbauen.