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Kein Tag der deutschen Einheit. 17. Juni 1953

Kein Tag der deutschen Einheit. 17. Juni 1953
Von Thomas Flemming

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  • Amazon-Verkaufsrang: #93898 in Bücher
  • Veröffentlicht am: 2003-01-01
  • Einband: Gebundene Ausgabe
  • 168 Seiten

Aus der Amazon-Redaktion

Literaturtest.de

In diesem Jahr, 50 Jahre nach den Ereignissen, erlebt der 17. Juni 1953 eine Medienaufmerksamkeit, die ihm viel zu lange versagt wurde. ARD und ARTE wollten dem ZDF und Guido Knopp nicht allein das Feld überlassen und produzierten eine erstaunliche Dokumentation inklusive Buchveröffentlichung. Dass man letztere auch anders konzipieren kann als die Konkurrenz mit den bekannten großformatigen Bildern und Zeitzeugenstimmen, zeigt Thomas Flemming. Er schafft es, die Ereignisse knapp, konzise und überzeugend in der Auswahl darzustellen und den Leser schnell mit der damaligen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Situation vertraut zu machen.

Die Vorgeschichte des 17. Juni 1953, die Stalinisierung der SED unter Ulbricht und der als unmenschlich empfundene "beschleunigte Aufbau des Sozialismus" wurden zu entscheidenden Gründen für den durchaus selbstbewussten Aufstand im Juli, der auch als dezidiert politischer Akt verstanden werden kann. Der Aufstand war keine Verzweiflungstat und auch nicht primär gegen die sowjetische Besatzungsmacht gerichtet, sondern richtete sich vielmehr gegen das immer einengendere Ulbricht-Regime.

In zahlreichen Reportagen aus ostdeutschen Städten und mit Hilfe aufschlussreicher Originaldokumente werden nicht nur das Ausmaß, sondern auch die Stoßrichtung des Aufstands deutlich. Überzeugend und folgerichtig sind die ausführlicheren Überlegungen zum Machterhalt Ulbrichts, der paradoxerweise gestärkt aus den Ereignissen hervorging. Er hatte genügend Argumente, um die Staatssicherheit massiv auszubauen und die Justiz für die Aburteilung der Protestierenden zu instrumentalisieren.

--Henrik Flor

Kurzbeschreibung
Was am 16. Juni 1953 mit spontanen Arbeitsniederlegungen als Protest gegen Normerhöhungen auf zwei Berliner Großbaustellen begonnen hatte, wurde innerhalb von 24 Stunden zu einem Aufstand, der die gesamte DDR erschütterte. In mehr als 500 Städten und Gemeinden gingen Hunderttausende auf die Straße, die Parolen der Demonstranten wurden schnell zu grundlegenden politischen Forderungen: Nieder mit der Regierung und Freie Wahlen. Erst nach dem Einsatz russischer Panzer und der Verhängung des Kriegsrechts herrschte wieder Ruhe im Land. Nicht nur in Berlin war die Ordnung ins Wanken geraten. In Görlitz gab es faktisch einen halben Tag lang eine neue Stadtregierung. In Halle übernahm ein Streikkomitee für Stunden die Amtsgeschäfte des Bürgermeisters. In Magdeburg gab es beim Versuch der Erstürmung von MfS-Gebäuden und Gefängnis Tote und Verletzte. Selbst auf dem Lande kam es zu Aufständen: LPG-Vorsitzende und Bürgermeister wurden ihrer Ämter enthoben. Der vorliegende Band untersucht die Ursa chen, die zu den Ereignissen am 17. Juni 1953 führten, schildert die Kämpfe in verschiedenen Streikzentren und beschreibt die Folgen des Aufbegehrens gegen die Arbeiter- und Bauernregierung. Eine Vielzahl von Fotos und Dokumenten illustriert Dramatik und Tragik eines vergeblichen, aber nicht vergessenen Aufstands. Das offizielle Buch zur ARD- und Arte-Sendung.

Über den Autor
Thomas Flemming, geboren 1957 in Bochum, Studium der Geschichte, Germanistik und Philosophie an der dortigen Ruhruniversität und der FU Berlin. Er ist Publizist und Historiker, Veröffentlichungen insbesondere zur Nachkriegsgeschichte und Geschichte Berlins.