Die nackten Tatsachen des Klaus Ender. Ein Leben zwischen Ost und West. Autobiographie
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Produktinformation
- Amazon-Verkaufsrang: #165077 in Bücher
- Veröffentlicht am: 2004-12-02
- Einband: Gebundene Ausgabe
- 216 Seiten
Aus der Amazon-Redaktion
dpa, 04.12.2004
Von Martina Rathke, dpa
Rügen (dpa) - Der FFK-Strand war sein Hauptaktionsfeld. Ob in den Dünen der Ostseeküste, im Kornfeld oder in der Intimität einer Wohnung - die jungen, nackten Frauen, strahlten stets eine selbstverständliche Natürlichkeit und Unbefangenheit aus. Mit seinen Aktfotografien brachte der Fotograf Klaus Ender etwas Freizügigkeit in den grauen, geordneten DDR-Alltag. Wenn Enders Bilder im «Magazin» oder auf der Funzel-Seite des «Eulenspiegel» erschienen, waren die begehrten Hefte bereits am Erscheinungstag vergriffen. Nun hat der 65-Jährige seine Autobiografie unter dem Titel «Die nackten Tatsachen des Klaus Ender» vorgelegt.
Auf 216 Seiten beschreibt Ender ein atemloses Leben. Er lernt den Beruf des Bäckers, als Autodiktat eignet er sich die ersten Kenntnisse der Fotografie an, er gerät ins Visier der Stasi, wird später vom Opfer zum IM der Stasi, siedelt nach Österreich über, kehrt in den Osten zurück. Seit acht Jahren lebt Ender auf Rügen, dort, wo seine Karriere vor 30 Jahren begann. (...)
«Das Schreiben war eine Befreiung, die zugleich auch weh tat», sagt Ender. «Ich wollte alles offen legen, ohne Beschönigungen.» (...) 060134 Dez 04
SPIEGEL online, 03.12.2004 (mit vielen Fotos)
AKT-FOTOGRAF KLAUS ENDER
"Die Frau und ihr köstliches Dreieck"
Von Annette Langer
Seine Heldinnen waren athletische Pionierfrauen, blonde Brünhilden oder in Fischernetze verstrickte Nixen. Jetzt hat der einst zum erfolgreichsten DDR-Fotografen gekürte Klaus Ender seine Autobiografie veröffentlicht - einschließlich intimer Ausblicke auf die "naturbelassene Schönheit" der sozialistischen Frau (...).
1966 bekam der Fotograf die Genehmigung, als selbständiger Bildreporter zu arbeiten - ein Privileg für den DDR-Bürger, das er teuer bezahlen musste: Ender arbeitete 15 Jahre lang als IM für die Staatssicherheit. In seiner Biografie legt der Autor diesen Tatbestand ebenso kompromisslos offen wie andere sehr persönliche Details (...) Im Jahr 1981 reiste Ender über Österreich in die Bundesrepublik aus. (...) Über seine Vergangenheit hinter dem eisernen Vorhang sagt er heute: "Auch wenn es ein Widerspruch in sich ist - ich war freier in der DDR. Im Westen wird noch heute jeder FKK-Strand abgeschottet und auf irgendeine Art verwaltet. Wir legten damals mit unseren Sachen einfach alles ab - das wäre im Westen so nicht möglich gewesen."
Kurzbeschreibung
In seiner Autobiographie beschreibt der Autor sein Leben in schonungsloser Offenheit. Er verschweigt nichts, auch nicht, dass er aus Liebe zur Fotografie und um seiner Karriere willen als IM für die Stasi arbeitete. Er war also ebenso Täter wie auch Opfer, denn er wurde selbst jahrelang von der Stasi minutiös überwacht. Seine Stasi-Akte umfasst 600 Seiten. Auch diesem Thema ist zum Schluss des Buches ein Kapitel gewidmet.
Die Geschichte beginnt – natürlich – mit seiner Kindheit, die spätestens seit Kriegsende keine mehr war, denn dann kamen Flucht und Vertreibung und Nachkriegsjahre voller Entbehrungen, Hunger und Kälte, die er gemeinsam mit seiner über alles geliebten Mutter durchstand. Als 15jähriger begann er eine Bäckerlehre und startete kurz danach eine erstaunliche Karriere als Ringer, „vom Hering zum Schwerathleten“, wie er selbst sagt. Aus politischen Gründen floh er 1957 kurz vor Abschluss der Lehre in die BRD, beendete dort die Lehre und kehrte ein Jahr später, von Heimweh geplagt, in die DDR zurück. Von diesem Zeitpunkt an wurde er von der Stasi überwacht, wie er später erfuhr. Es folgten private Turbulenzen und mehrere Jahre als Saisonbäcker auf Rügen. Diese Aufenthalte im Sommer auf Rügen nutzte er zur Vervollkommnung seiner Kenntnisse als Fotograf und begann, sich auf Aktfotografie zu spezialisieren. Er knüpfte Kontakte zu vielen Zeitschriften im In- und Ausland und hatte viele ! Veröffentlichungen. Als Vergütung erhielt er heiß begehrte Westwaren wie z.B. Jeans, die er an Jugendliche weiter verkaufte. Das war verboten und blieb natürlich der Stasi nicht verborgen. 1966 erhielt er die Genehmigung, als selbständiger Fotograf zu arbeiten. Durch seine oben erwähnten Aktivitäten erpressbar geworden, wurde er von der Stasi vor die Wahl gestellt: Karriere oder Zuchthaus. So willigte er notgedrungen ein, als IM für die Stasi tätig zu werden. Da sich dies schon nicht vermeiden ließ, schwor er sich jedoch, keine Freunde und Kollegen anzuschwärzen, sondern denjenigen Schwierigkeiten zu bereiten, die das System stützten und anderen das Leben schwer machten.
Als Fotograf etablierte er sich schnell und engagierte sich in verschiedenen Fotoclubs der DDR. 1972 zog er – inzwischen verheiratet - um nach Potsdam, um eine gut dotierte Stelle anzunehmen und endlich einmal in einer komfortablen Wohnung zu wohnen. Er baute sich sogar einen Bungalow im Grünen. 1975 wurde die von ihm initiierte Ausstellung „Akt & Landschaft“ in Potsdam eröffnet. Diese Ausstellung wurde an verschiedenen Orten in der DDR gezeigt, war ein Riesen Erfolg und wurde zu einer regelmäßigen Einrichtung in der DDR. Trotz dieser vielen Erfolge und Anerkennung seiner Arbeit wurde der Wunsch nach Freiheit immer stärker. Er besann sich auf seinen österreichischen Vater und beantragte zunächst die österreichische Staatsbürgerschaft und dann die Ausreise. 1981 war es dann tatsächlich soweit – er durfte, gemeinsam mit seiner Frau, nach Österreich ausreisen. Es folgten harte Jahre. Beruflich musste er wieder bei Null anfangen. Privat gab es erhebliche Probleme, denn 1978 hatte er in der DDR seine „Traumfrau“ kennen gelernt, die er nun zurücklassen musste. Seine Ehe war praktisch am Ende. 1984 ließ er sich scheiden und heiratete Gabi, die nach wie vor in der DDR lebte und, nach endlosem Ringen mit den Behörden, Anfang 1985 endlich auch ausreisen durfte.
1985 offenbarte er seine IM-Tätigkeit dem BND, was ihm mehr Probleme einbrachte als ihm lieb war.
1989 gelang ihm dann auch der internationale Durchbruch, und die finanziellen Sorgen gehörten endlich der Vergangenheit an. Der Mauerfall im selben Jahr machte es ihm möglich, endlich die Heimat und alte Freunde wieder zu sehen. Jedoch war es nicht „wie früher“, was der Autor mit folgenden Worten sehr schön beschreibt: „Die Lockerheit der typisch provinziellen Atmosphäre bei unseren Freunden und Bekannten war verschwunden und einer geschäftigen, gereizten, für nichts mehr Zeit habenden Gesellschaft gewichen. Nichts – und wenn es auch Jahrzehnte lang sehr wichtig war – aus der Vergangenheit zählte mehr. Schauspieler, Sänger, Literaten und Künstler waren zumeist arbeitslos, plötzlich völlig uninteressant, Bewährtes wurde aufgegeben oder brach in sich zusammen und die DDR-Gesellschaft war zu Suchenden nach neuem Wohlstand geworden. Der Camcorder, das Videogerät und der gebrauchte Westwagen waren viel, viel wichtiger, als jede Bindung zu Freunden. Die heimelige DDR-Atmosphäre, nach der ich im Westen oft Sehnsucht hatte, war dem gleichen materiellen Denken gewichen, das wir im Westen so verurteilt hatten. Wir fanden unsere alte Heimat so vor, wie sie für uns nicht mehr lebenswert war und waren froh, im schönen Österreich zu leben.“
Beruflich ging es also bergauf, gesundheitlich leider bergab. Dennoch hat er nie seine Ziele aus den Augen verloren und sich Lebensmut und Lebensfreude bewahrt, getreu seinem Lebensmotto:
„Schlägt dir die Hoffnung fehl, nie fehle dir das Hoffen – ein Tor ist zugetan, doch Tausend sind noch offen.“ (Friedrich Rückert)
WEVOS Verlag, November 2004
