Plan B: Wie man seine Schulden auf null bringt. Der Ratgeber von einem, der es wissen muss
|
39 neu oder gebraucht verfügbar EUR 0,01
Durchschnittliche Kundenbewertung:(3 Kundenrezensionen)
Produktinformation
- Amazon-Verkaufsrang: #708289 in Bücher
- Veröffentlicht am: 2004-10-18
- Einband: Taschenbuch
- 159 Seiten
Aus der Amazon-Redaktion
Kurzbeschreibung
Millionen Haushalte im Land haben massive Geldprobleme. Was tun, um Schulden in den Griff zu bekommen? Drei Millionen deutscher Haushalte gelten als völlig überschuldet. Im Durchschnitt hat jeder Deutsche 14.000 Euro Schulden. Aber keiner spricht darüber. Zum realen Problem kommt ein psychologisches: Nichts ist heute so peinlich wie Schulden zu haben. Und ist man erst einmal in der Schuldenspirale gefangen, dreht diese sich scheinbar unaufhaltsam weiter. Stefan Angehrn, der erfolgreichste Schweizer Boxer, weiß, was das bedeutet. Sein Sport hat ihm einen Schuldenberg von nahezu einer halben Million Franken eingebracht. Um diese horrende Summe abzubauen, entwickelte er „Plan B“. Er lernte u. a., offen mit Gläubigern über die finanzielle Situation zu sprechen, einen Ratenzahlungsplan aufzustellen, die gesetzlichen und behördlichen Möglichkeiten auszuloten und nicht zuletzt, angebotene Unterstützung auch anzunehmen. Aus seinen persönlichen Erfahrungen entwickelte er einen Trainingsplan, der es jedem ermöglicht, seine Geldprobleme in den Griff zu bekommen. Auch zahlreiche Prominente – von Vitali Klitschko bis Lisa Fitz – kommen zu Wort und reden offen über Geld und wie man damit umgeht. Mit Vorworten des Schweizer Altbundespräsidenten Adolf Ogi und der ehemaligen deutschen Justizministerin Sabine Leutheuser-Schnarrenberger.
"Stefan Angehrn war schon während seiner aktiven Zeit als Berufsboxer ein mutiger Mann ... Was aber die Angehrns als Familie in den letzten vier Jahren geleistet haben, ist bewundernswert und vorbildlich. Wir Schweizer sind stolz, solche Kämpfer in unseren Reihen zu haben ... Ich hoffe, dass sehr viele Menschen in ähnlichen Situationen sich an ‚Stef ’ ein Vorbild nehmen können und ihr Leben mit Hilfe von Plan B wieder in die rechte Bahn und zurück ins Glück werden lenken können."
Adolf Ogi, Schweizer Alt-Bundesrat und Uno-Sonderbeauftragter
„Wer kann besser darüber berichten, wie man seine Schulden erfolgreich abbaut, als ein ehemaliger Betroffener?“
Freie Presse, Chemnitz
"Eine prima Motivationshilfe mit vielen sinnvollen Tipps!"
For You
Über den Autor
Stefan Angehrn ist nicht nur in der Schweiz eine prominente Persönlichkeit. Durch seine Boxkämpfe hat er weit über sein Heimatland hinaus für Schlagzeilen gesorgt. Heute ist er in der VIP-Service-Branche tätig. Über seine Verschuldung redet er offen, ehrlich und ohne Selbstmitleid.
Auszug aus Plan B: Wie man seine Schulden auf null bringt von Stefan Angehrn. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Bundesjustizministerin a. D., Bundestagsabgeordnete und Rechtsanwältin:
„Millionen Privathaushalte sind total überschuldet. Ihre finanzielle Situation ist ziemlich hoffnungslos und eine Abhilfe schaffende Gelddruckmaschine weit und breit nicht in Sicht. Wer sollte die denn auch bezahlen! Plan B von Stefan Angehrn wird zur bezahlbaren Alternative. Er schafft in scheinbar auswegloser Lage Mut, spornt an und weckt ungeahnte Kräfte, das schier Unmögliche möglich zu machen. Als Bundesjustizministerin habe ich lange für die »Privatschuldnerbefreiung« gekämpft und mit den entsprechenden Änderungen der Insolvenzordnung erstmals einen Einstieg in den Ausstieg aus der Schuldenfalle geschaffen. Plan B gibt mehr her. Nicht nur der Weg zur schonungslosen Ist-Analyse – für einen weltmeisterlichen Boxer sehr glaubwürdig – wird zum Muss beim Einstieg, sondern es werden auch erreichbare Ausstiegsszenarien aufgezeigt. Es muss kein Paragraphen-Dschungel durchforstet werden, der Leser muss »nur« die innere Bereitschaft zur Offenheit, Einsicht und Tatkraft mitbringen. Nacheifern reicht völlig. Psychisch wird es dem Leser mit seinem Schuldenberg sofort besser gehen. Dem Leser ohne Schuldenberg werden unterhaltsame Stunden für wenig Geld beschert. Plan B bietet für jeden etwas. Unsere Zeit braucht mutige Menschen mit Idealen als Wegbereiter!“
Adolf Ogi, Schweizer Altbundespräsident und UNO-Sonderbeauftragter für Sport im Dienste von Entwicklung und Frieden:
„Stefan Angehrn war schon während seiner aktiven Zeit als Berufsboxer ein mutiger Mann. Aus meiner Zeit als Politiker weiß ich, wie viel Mut es braucht, einem Gegner »Auge in Auge« gegenüberzustehen und auch dann aufrecht zu bleiben, wenn es mal nicht so gut läuft, wie man es gedacht hatte. Stefan Angehrn hat als Boxer große Erfolge für die Schweiz gefeiert und unserem Land durch seine zwei Weltmeisterschaften gegen Ralf Rocchigiani und durch den großartigen Sieg über Olympiasieger Thorsten May international sehr viel Anerkennung eingebracht. Leider lief es mit dem Familienunternehmen Angehrn finanziell nicht so gut wie sportlich, sodass die erfolgreiche Karriere im Jahr 2000 mit einem riesigen Schuldenberg endete. Was aber die Angehrns als Familie in den letzten vier Jahren geleistet haben, ist bewundernswert und vorbildlich. Wir Schweizer sind stolz, solche Kämpfer in unseren Reihen zu haben, und ich wünsche den Angehrns für ihre weitere Zukunft alles Gute. Ich hoffe, dass sehr viele Menschen in ähnlichen Situationen sich an »Stef« ein Vorbild nehmen können und ihr Leben mit Hilfe von PLAN B wieder in die rechte Bahn und zurück ins Glück werden lenken können.“
Gespräch in der U-Bahn:
»Ich weiß nicht, was die Leute wollen: Uns geht’s doch gut!«
»Aber die 40 Deutschen sind pro Kopf zehnmal so hoch verschuldet wie die Bulgaren!«
»Aber die Bulgaren haben auch keine Fotohandys, Mikrowellenherde, Entertainment-Center, Zweitwagen und so was.«
»Wenn sie erst zehnmal so hoch verschuldet sind wie heute, haben sie das alles auch.«
VORWORT
In der roten Ecke:
Name: Stefan Angehrn
Alter: Jahrgang 1964
Größe: 188 cm
Gewicht: 86 kg
Beruf: Boxer (Normalausleger)
Familienstand: verheiratet seit 16 Jahren, vier Kinder (8/12/14/25)
Titel: 1998 IBF-Intercontinental-Champion Cruisergewicht,(1988 Schweizer Meister bei den Amateuren)
Kämpfe: 36 als Amateur, 25 als Profi, 9 Niederlagen insgesamt
Schulden: 424.000 Schweizer Franken im Mai 2000
»Ich bin im Lauf meiner Karriere nie K.O. gegangen und habe meine Schulden bis heute fast komplett getilgt. Ohne reichen Onkel aus Amerika und ohne Lottogewinn.«
In der blauen Ecke:
Das unberechenbare Leben
Zuerst sollte ich mich vorstellen. Ich heiße Stefan Angehrn, bin geborener Schweizer, genauer gesagt Thurgauer, und meine Geschichte – soweit sie für Sie interessant ist – begann in Frauenfeld, der Hauptstadt des Thurgaus, südlich angrenzend an den Bodensee.
Ich war 15 Jahre alt und ich hatte schon immer eine große Klappe. Manche sagen, die hätte ich noch heute. Wenn es Freunde sind, macht mir das nichts aus. Die anderen sagen mir das sowieso nie ins Gesicht. Ich war also mitten in der Pubertät und streunte mit einer Bande Gleichgesinnter durch die Gassen von Frauenfeld und Winterthur. Wir waren keine wirklich schlimmen Jungs, wir versuchten nur so zu tun. Frauenfeld ist eben nicht Los Angeles, und bei uns in der Schweiz reicht es schon, um Mitternacht mit Bierdosen auf dem Bahnhofsplatz zu kicken, damit man »so einer« ist. Wir hatten ein paar Schlägereien, oft Polizeibesuch, stramme Besäufnisse und regen Mädchenbesuch – aber wir waren nicht wirklich böse. Irgendwann wurde ich sogar der Chef der Gang, obwohl die anderen alle älter waren. Warum das so war, darüber habe ich damals nicht nachgedacht. Ich fand das ganz normal. Wenn wir Streit mit einer anderen Gang bekamen, riss ich einfach meine große Klappe auf und gab den Jungs zu verstehen, dass sie es gerne mal ausprobieren könnten. Ich machte ein paar eindeutige Bewegungen, die ich aus Kung-Fu-Filmen kannte, und die anderen zogen wieder ab. Das reichte sogar für 35-jährige Schränke mit 120 Kilo, man staune.
Das ging etwa ein Jahr gut, bis mich irgendwann einmal sechs ältere Kerle allein in einer dunklen Ecke stellten. Ich hatte meine große Klappe diesmal wohl zu weit aufgerissen, und jetzt war es ihnen egal, ob ich kämpfen konnte wie Bruce Lee. Konnte ich übrigens gar nicht. Das stellte sich schnell heraus, und nach ein paar Sekunden lag ich am Boden und gab eine prima Zielscheibe für ihre Stiefelspitzen ab. Wahrscheinlich hätten mich die sechs böse zugerichtet, wenn nicht plötzlich aus dem Dunkel meine Rettung aufgetaucht wäre. Zusammengekauert versuchte ich nur meinen Kopf zu schützen, als ich diese Geräusche hörte. Es klang, wie wenn ein Fleischer mit seinem Schlegel Schnitzel platt schlägt. Ich schaute auf und sah zwei von den Kerlen neben mir liegen, die anderen liefen davon. Der Typ hatte sie einfach umgehauen, ganz ohne Handkantenschläge, Tritte und Schnickschnack. Aber das erfuhr ich erst später, als er mich nach Hause gebracht und ich ihm meine Geschichte erzählt hatte, so gut das eben mit verschwollenen Lippen geht. Er schüttelte den Kopf und meinte: »Du musst was tun, Kleiner. Sonst kriegst du immer wieder was auf die Fresse!« Der das sagte, war der damalige Schweizer Amateurmeister im Leichtgewicht.
Der Beginn meiner Boxerkarriere
Mein Retter nahm mich gleich am nächsten Tag mit ins Boxtraining, und ich war von diesem Sport sofort begeistert. Ein guter Boxer muss all das haben, was ich – ohne damals schon daran zu denken – als wichtige Eigenschaften eines Menschen verstehe: Mut, Schnelligkeit (im Kopf und in den Fäusten), Stärke (mental und körperlich), Überblick, Konzentration, Fairness und Durchhaltewillen. Ein guter Boxer muss immer wieder aufstehen wollen. Und ein sehr guter Boxer wird immer wieder aufstehen können. So verstand ich das Leben, und so verstehe ich es heute noch. Man darf schon mal verlieren, aber danach muss man an den nächsten Kampf denken. Ich wurde mit 18 Boxer, doch damals konnte ich noch nicht ahnen, welche seltsamen Kämpfe es in meinem Leben geben würde. Boxen ist kein Beruf. Ich trainierte und absolvierte ein paar Kämpfe als Amateur, ich gewann die meisten und wurde immer besser, aber mit Boxen verdient man kein Geld. Nicht als Amateur und nicht in der Schweiz. Zum Geldverdienen arbeitete ich als Gipser auf dem Bau, jobbte als Discjockey und Kellner – und lernte Renata kennen. Wir heirateten 1988, und meine Frau brachte dasselbe wie ich in die Ehe: ein leeres Bankkonto. Ein guter Start, wie wir beide fanden, denn so konnte schließlich keiner später behaupten, der andere hätte es nur auf sein Geld abgesehen.
Etwas anderes brachte mir Renata auch bei: dass es nämlich Menschen gibt, die keine Ahnung vom Boxen haben. Vielleicht gehören Sie auch dazu, aber es hilft nichts – da müssen wir jetzt zusammen durch. Denn jetzt erzähle ich Ihnen, wie ein Boxer zu richtig dicken Schulden kommen kann.
Ein Jahr nach unserer Hochzeit beschloss ich, Profi zu werden. Ich rechnete mir gute Chancen aus, an ein paar Brocken heranzukommen. Das war mein Plan. Mein Plan A jedenfalls, doch das wusste ich damals noch nicht.
Profiboxer müssen trainieren, jeden Tag mindestens vier Stunden und das kostet nicht nur Schweiß. Das kostet richtig Geld. Mit den Jobs am Bau war das nicht mehr zu machen. Ich sattelte auf Versicherungskaufmann um, trainierte zuerst in Genf und später in Bern und versandte 500 Bittbriefe an mögliche Sponsoren. Die Ausbeute war karg. Drei Privatleute schickten mir insgesamt 850 Schweizer Franken, 21 Firmen sagten schriftlich ab – und der Rest meldete sich überhaupt nicht.
Inzwischen war der erste Profikampf. Ich siegte und erhielt stolze 500 Franken, den zweiten Kampf verlor ich und bekam 800 Franken. Es ist eben eine alte Boxerweisheit, dass die Börse nichts damit zu tun hat, ob man gewinnt oder verliert.
Die nächsten elf Jahre waren ein ständiges Auf und AB, eine Zeit, die mir viel gebracht hat, die mich aber auch viel gekostet hat. Insgesamt etwa eine Million Schweizer Franken, wenn ich alle meine Schulden über diesen Zeitraum zusammen zähle, Im Jahr 2000 jedenfalls, als ich die Profihandschuhe an den Nagel hängte, machte ich mit meiner Frau Kassensturz: 424.780,55 Franken minus waren das vorläufige Ergebnis einer Boxerkarriere, die ebenso gut mit ein paar Millionen im Plus hätte enden können, wenn ich zum Beispiel in Deutschland geboxt hätte. Immerhin jedoch hatte ich etwas, das man mir nie wieder nehmen konnte: Ich war der erfolgreichste Schweizer Boxer des 20. Jahrhunderts – und ich war pleite.
Jetzt hatten wir die Wahl, Privatkonkurs anzumelden oder die Schulden zurückzuzahlen. Aber wenn ich etwas beim Boxen gelernt habe, dann das: Gib nie auf – die Einzigen, die das Handtuch werfen, sind dein Trainer und der Ringrichter.
Und seltsamerweise habe ich noch ein paar andere Sachen im Ring gelernt, die mir geholfen haben, meine Schulden abzubezahlen – bald bis auf den letzten Franken.
Wie man Schulden macht – und wie einen Schulden (fertig) machen
Erlauben Sie einem schlichten Boxer, Ihnen etwas Nachhilfe in Etymologie zu geben: Schuld und Schulden haben einen altgermanischen Wortstamm: »skulan«, was nichts anderes als »sollen« bedeutet. Er soll mir, ich soll ihm – einer schuldet also dem anderen etwas. Mit der Bedeutung »schuldig sein« war »sollen« noch bis zum Ende des 18. Jahrhunderts in der Kaufmannssprache üblich, und heute finden Sie das Wort in jeder Bilanz und auf all Ihren Kontoauszügen. Soll und Haben – Schuld und Sühne. Diese Verpflichtung zur Rückgabe einer geliehenen Summe oder zu einer Abgabe, einem Dienst oder einer Revanche wurde mit den Jahren in der deutschen Sprache immer mehr erhöht, aus den Schulden wurde die Schuld. Schulden wurden zur Sünde, und so ist es offen gesagt bis heute geblieben.
Balzac, der Profischuldner
Honoré de Balzac veröffentlichte 1827 ein schmales Bändchen, das man als erste Schuldnerberatung bezeichnen könnte: »Die Kunst, seine Schulden zu zahlen und seine Gläubiger zu befriedigen, ohne auch nur einen Sou selbst aus der Tasche zu nehmen«. In dieser beißenden Satire geißelt er die Grausamkeiten der Gläubiger zu seiner Zeit und gibt den Schuldnern freundliche Ratschläge. In Balzacs Charakteristik des »perfekten Schuldners« liest man: »Der Mann braucht eine eiserne Gesundheit, schnelle Füße, Geistesgegenwart, Mut, Geduld und das Gedächtnis eines Gläubigers.« Wer Schulden hat, muss sich auch schuldig fühlen. Da könnte man auf die seltsamsten Gedanken kommen.
Noch nie hatten wir mehr Schulden
Drei Millionen deutsche Haushalte gelten als völlig überschuldet, und noch nie war die Zahl der Privatinsolvenzen so hoch wie heute. Die Ratenkredite haben sich in zehn Jahren von 115 Milliarden DM auf 440 Milliarden DM 1999 fast vervielfacht. Immer mehr Geldinstitute steigen ins Geschäft mit den klammen Zahlern ein – Schulden sind ein tolles Geschäft! Für Banken und Geldverleiher. Immer mehr Menschen brauchen dringend Geld und akzeptieren fast jeden Zinssatz. Das Leben auf Pump gehört zum Alltag, ja fast schon zum guten Ton, und man führt es mit Vollgas, bis man sich überschlägt oder aus der Kurve fliegt. Dank aggressiver Verkaufsmethoden boomt die Schuldenindustrie. Überall gibt es inzwischen Kredite: im Internet, bei den Banken, bei den Autohändlern, bei den Versandhäusern, beim Elektromarkt. Nach Sicherheiten fragt kaum noch jemand – es reicht, wenn man eine feste Arbeit angibt. Der Rekord bei Online-Anbietern liegt bei 30 Sekunden für eine Kreditzusage.
Aber wissen Sie eigentlich, was ein effektiver Jahreszins von 15 % bedeutet? Die Hölle nämlich, und wenn Sie sich nur kleine Raten leisten können, werden Sie nach vielen Jahren feststellen, dass Sie zwar viele Zinsen gezahlt, jedoch noch keinen Cent Ihrer Schulden getilgt haben. Es ist eine grausame Wahrheit: Man braucht uns Schuldner, mit uns wird richtig dick Geld verdient, aber man lobt uns nicht als Motor der Wirtschaft. Und nachdem alles ein Geschäft ist – wenn man dem Irak Waffen liefert und sie ihm anschließend im Rahmen eines Krieges gegen den Terror wieder abnimmt oder wenn man an Supermarktkassen in Kinderaugenhöhe Süßigkeiten stapelt und gleichzeitig über den Zustand der Zähne eben dieser Kinder lamentiert –, ist das Schuldengeschäft eben auch nur ein Geschäft wie jedes andere. Sorry, ich bin Boxer und kann mein Naturell nicht verstecken, aber im Ring geht es ziviler und ehrlicher zu. Es hilft bloß nichts zu jammern, denn schließlich haben wir den Kapitalismus als Staatsform gewählt und damit auch ein zynisches Ideal: den Profit.
Von der Verschuldung zur Überschuldung
Verschuldet sind wir alle irgendwie. Es wird kaum einen Menschen geben, der einem anderen nicht etwas schuldet. Doch wir sind auch alle sicher, dass wir das im Griff haben. Eine enorme Selbstüberschätzung, die mit etwas Fantasie relativiert werden kann. Denken Sie nur an die drei K: Keine Arbeit, Kinder, Krankheit.
Die Angst vor der Arbeitslosigkeit hat in den letzten Jahren sprunghaft zugenommen. Outsourcing, Abwanderung von Firmen, billige Arbeitskräfte im Osten und der Dritten Welt, Firmenpleiten und »Verschlankung«. Wie sieht Ihre Schuldenbilanz aus, wenn für ein Jahr 40 % Ihres Einkommens wegfallen? Sind Sie in dem Alter, in dem man nur noch schwer vermittelt werden kann, oder arbeiten Sie in einer Berufssparte, die als »unvermittelbar« abgestempelt ist? Sie sollten sich in keine Hysterie steigern, aber Sie sollten Vorkehrungen treffen, falls das erste K tatsächlich einmal zuschlägt. Erkunden Sie jetzt schon alternative Einnahmemöglichkeiten, schauen Sie sich nach Zweitjobs um – und bleiben Sie weit weg von der Schuldenkante!
Kinder sind die zweite Schuldenfalle. Ein Einkommen fällt weg oder wird zumindest minimiert. Dazu kommen zusätzliche Aufwendungen für das Kind, Kinderzimmer, später ein Kindergartenplatz, Schule und Ausbildung – und natürlich die gesellschaftlichen »Konsumzwänge« für Kinder. Kein Grund, sich nicht mehr fortzupflanzen, aber trotzdem ein Thema, dem man sich nicht blauäugig nähern sollte.
Krankheit ist die dritte Schuldenfalle, häufig eine ebenso böse wie unerwartete. Ob Sie oder Ihr Partner länger erkranken und Pflege brauchen, die von der Versicherung nicht abgedeckt ist, oder ob Sie einen Elternteil betreuen müssen – Krankheit bedeutet oft gewaltige Mehraufwendungen von Zeit und Geld. Und die kann sich nur der leisten, der weit genug von der Schuldenkante entfernt ist.
Schuldig oder nur verführt?
Ohne leicht verführbare Menschen, die die Werbung auf gnadenlosen Konsum eingeschworen hat, würden viele Branchen bitter leiden: Handyhersteller, Funknetzbetreiber, Teilzahlungsbanken, Versandhäuser, Automobilhersteller, Baufirmen, Internetdienste und die gesamte Unterhaltungsindustrie. Einfache Lebensmittelläden haben noch keinen zum Schuldner gemacht. Da konnte man früher – und auf dem Land geht das immer noch – anschreiben lassen, und wenn wieder Geld da war, hat man eben alles bezahlt. Ohne Zinsen. Deshalb: Fühlen Sie sich nicht schuldig, wenn Sie Schulden haben. Höchstens wenn Sie ein professioneller Skandalschuldner sind wie Herr Schneider aus Deutschland oder Herr Rey aus der Schweiz, die beide mit krimineller Energie ihre Schulden aufgetürmt haben. Mit dem Hintergedanken, sie nur zurückzuzahlen, wenn – gegen alle Wahrscheinlichkeit – alles gut läuft. Wenn nicht? Na eben.
Wie kriegt so jemand eigentlich so viel Geld? Bei unsereinem verlangen die Banken Sicherheiten über die gesamte Summe – bei Immobilienspekulanten werden Millionen locker vergeben. Sind ja bloß Peanuts. Das führt zwangsläufig zur Betrachtung der Staatsfinanzen. Wie kann sich ein Staat so verschulden, dass seine Bürger die Hälfte des Jahres dafür arbeiten müssen, damit eben dieser Staat die Zinsen für sein Defizit bezahlen kann? Dabei geht es doch viel einfacher. Mexiko etwa hat sich bei der Weltbank so verschuldet, dass an die Rückzahlung der Milliardenkredite nicht zu denken ist. Also schenkt man dem sympathischen Land mit seinen freundlichen, Sombrero tragenden Menschen den Kredit, aber die Zinsen möchte man schon haben. Dafür gibt es einen neuen Kredit, von dem Mexiko jedes Jahr die Zinsen bezahlt – bis auch der aufgebraucht ist.
Test: Haben Sie ein gefährliches Konsumverhalten?
1. Vor dem Einkaufen schreibe ich einen Einkaufszettel – kaufe
dann aber meist doch noch andere Sachen ein.
2. Im Supermarkt bekomme ich die besten Ideen, was ich kochen kann.
3. Ich räume regelmäßig meinen Kühlschrank aus und werfe
verdorbene Lebensmittel weg.
4. Ich kaufe nur Markenprodukte.
5. Ich gehe gerne und regelmäßig bummeln.
6. Es gibt jeden Tag etwas einzukaufen.
7. Warme Pullis trage ich im Winter nur im Freien.
8. Manchmal kommt das warme Wasser so heiß bei mir aus der
Leitung, dass man sich fast verbrennt.
Je mehr »Ja«-Antworten Sie haben, umso kostspieliger ist Ihr
Konsumentenverhalten. Können Sie es sich wirklich leisten, so
planlos beim Einkaufen und Wohnen zu sein?

