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Marienplatz: Einmal Löwe, immer Löwe

Marienplatz: Einmal Löwe, immer Löwe
Von Stefan Weigl

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  • Amazon-Verkaufsrang: #994884 in Bücher
  • Veröffentlicht am: 2007-03-05
  • Einband: Broschiert
  • 95 Seiten

Aus der Amazon-Redaktion

Thorsten Schaar, 11 Freunde, 22. Feb. 2007
Kioskpächter Rudi Aumiller, der am Marienplatz 1860-Fanartikel verkauft, hat sich umgebracht. Ehefrau Wally macht Inventur. Zwischen Grillschürzen und Liga-Wimpeln rekapituliert sie ihr Eheleben mit dem eingefleischten Sechzger: "Einmal habn mir bis nach Borisow fahrn müssn, in Weißrussland. 2002, UI-Cup, zweite Runde, Rückspiel gegen FC Bate Borisow, 78 Stunden Fahrt hin und zurück. 50 durschtige Männer in einem Bus ohne Klo. Könnens Ihnen das vorstelln?" Der Monolog der blauen Witwe ist Bestandsaufnahme einer sich verändernden Fußballlandschaft. Wally ironisiert die verklärte Sicht auf das »Grünwalder Stadion«, prangert die »Lautsprecher-Brüllwerbung« an und ledert über die »Duselbayern« mit ihrem »Sponsorenweißbier« ab. Große Klasse.

Sascha Theisen, torwort.de, 06.03.07
"Wenn es überhaupt eine Gerechtigkeit gibt, dann ist der Rudi jetzt im Paradies, wo die Löwen die Rekordmeister sind und nicht die Roten, weil (...) seine Sünden hat er schon da heruntn abbüßt."

Rudi Aumiller hatte ein hartes Leben - härter als hart! Eisenhart! Rudi Aumiller war Sechziger. Das ist ja auch erst mal nicht weiter schlimm, hätte er nicht gleichzeitig ein Kiosk mitten auf dem Münchener Marienplatz gepachtet. Eben dort wo der FC Bayern mit seinen Fans seit den späten "Sechziger"-Jahren gefühlte zwei Millionen Meisterschaften und ebenso viele Pokalsiege feierte. Rudi Aumiller leidet, aber er hält Jahrzehnte lang durch - natürlich nicht ohne gesundheitlichen Schaden zu nehmen. Die Folgen eines Bayerntinitus (Stern des Südens) sind letztendlich zu viel für ihn. Er bringt sich um. Dieser pompöse Alptraum ist der Rahmen für Stefan Weigls Buch "Marienplatz. Einmal Löwe, immer Löwe", das gerade im Kölner Tisch7-Verlag erschienen ist und wahrscheinlich eines der besten Fußballbücher der letzten fünf Jahre ist. Worum geht's? Wally, die Witwe von Rudi Aumiller, macht Inventur im Kiosk ihres verstorbenen Mannes und erzählt seine Geschichte, die auch die ihre ist. Eine Warenbestands-Inventur, die zur Lebens-Inventur wird. 1860-Boxershorts und FC Bayern-Business-Krawatten werden genauso gezählt und sortiert wie Enttäuschung, Demütigung und Schmerz der vergangenen Jahre. Die Witwe nimmt kein Blatt vor den Mund. Gnadenlos pointiert rechnet sie ab. Der ebenso verlogene wie verklärte Blick auf das ach so coole Grünwalder kriegt sein Fett genau so weg, wie der Indianerfriedhof in Fröttmaning mit all seinem Sponsorenweißbier. Und das ist längst nicht alles. Stefan Weigl lässt seine Protagonistin aus der tiefsten Seele des Fans sprechen. Des Fans der sein Dasein als Schicksal des Deklassierten begreift. Dabei wählt er eine phantastische und noch nie da gewesene Perspektive. Großes Kino!

www.transfermarkt.de, 1.4.07
Dieses Buch muss ich unbedingt weiterempfehlen, klasse Geschichte mit makabren Humor. Ich denk mal, auch für Nicht-Löwenfans ein lesenswertes Buch über das Fan-Dasein!