Geschichte der Belagerung von Lissabon
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Produktbeschreibung
Raimundo Silva, ein bescheidener und zurückhaltender Mann um die Fünfzig,arbeitet als Korrektor für ein Lissabonner Verlagshaus. In ein historischesWerk über die Belagerung und Einnahme des maurischen Lissabon durch denspäteren portugiesischen König Dom Afonso Henrique und die europäischenKreuzritter 1147, allgemein als Gründungsmythos der portugiesischen Nationgeltend, fügt er aus einem Impuls heraus an entscheidender Stelle ein nichtnichtanderen Geschichte Lissabons ernst zu nehmen und diese Geschichte zuschreiben. In dem Maße, wie er der Empfehlung nachkommt, entdeckt er seinebislang verschütteten kreativen und emotionalen Möglichkeiten. Mit demAbschluss seiner Geschichte der Eroberung Lissabons findet auch die Liebesgeschichtezwischen ihm und Maria Sara ihre Erfüllung.
Produktinformation
- Amazon-Verkaufsrang: #108185 in Bücher
- Veröffentlicht am: 1997-10-01
- Einband: Taschenbuch
- 432 Seiten
Aus der Amazon-Redaktion
Buch der 1000 Bücher
Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Geschichte der Belagerung von Lissabon
OT História do Cerco de Lisboa OA 1989 DE 1992Form Roman Epoche Gegenwart
In seinem heiteren Liebesroman aus dem modernen Lissabon macht José Saramago zugleich grundsätzliche Fragen – nach der Erkennbarkeit der Geschichte und den Quellen der künstlerischen Kreativität – zum Thema.
Inhalt: Raimundo Silva, ein bescheidener und zurückhaltender Mann um die Fünfzig, arbeitet als Korrektor für ein Lissabonner Verlagshaus. In ein historisches Werk über die Belagerung und Einnahme des maurischen Lissabon durch den späteren portugiesischen König Dom Afonso Henrique und die europäischen Kreuzritter (1147), allgemein als Gründungsmythos der portugiesischen Nation geltend, fügt er aus einem Impuls heraus an entscheidender Stelle ein »nicht« ein: Die Kreuzritter hätten den Portugiesen in jenem Kampf nicht beigestanden. Während sich Raimundo Silva gegenüber für diese Eigenmächtigkeit verantworten muss, wächst seine Sympathie für eine neue Vorgesetzte, die Lektorin Doktor Maria Sara. Sie ermuntert ihn, jenes »nicht« als Ausgangspunkt einer »anderen« Geschichte Lissabons ernst zu nehmen und diese Geschichte zu schreiben. In dem Maße, wie er der Empfehlung nachkommt, entdeckt er seine bislang verschütteten kreativen und emotionalen Möglichkeiten. Mit dem Abschluss seiner Geschichte der Eroberung Lissabons findet auch die Liebesgeschichte zwischen ihm und Maria Sara ihre Erfüllung.
Aufbau: Der Reiz des Romans liegt einerseits in der Kombination verschiedener Ebenen, die sich gegenseitig reflektieren – er ist Schriftsteller-Roman, Liebesroman und historischer Roman zugleich. Andererseits ist die Erzählperspektive bemerkenswert, die Saramago hier wie in den meisten Romanen benutzt: Ein allwissender und redseliger Erzähler, in der Gegenwartsliteratur sonst nur noch selten anzutreffen, berichtet souverän und greift zuweilen auch in die Zukunft vor; er kommentiert, bewertet und relativiert das Erzählte, wobei er über philosophische Kategorien ebenso verfügt wie über Volksweisheiten und Sprichwörter. Damit bleibt er nicht nur nah am Lebensraum der Figuren, sondern bezieht auch seine Leser kommunikativ ein. Die politisch motivierte Sympathie mit seinen »einfachen« Figuren hindert Saramago nicht, weit reichende moralische und erkenntnistheoretische Probleme abzuhandeln – hier etwa die »postmoderne« Frage nach dem Verhältnis von Geschichte, Geschichtsschreibung und Fiktion.
Wirkung: Im Gegensatz zu einigen späteren Romanen Saramagos erreichte die Geschichte der Belagerung... nicht das große Publikum. Die Kritik reagierte fast einhellig begeistert auf die kunstvoll verwobene Geschichte, in der Schreiben und Lesen selbst zum Thema werden. J. V.
Kurzbeschreibung
«Dieser Roman ist so voller Ironie und Lust am Spiel der Sprache, dass man sich gern zur Lektütre verführen lässt.» (Frankfurter Rundschau) Ein Korrektor probt den Aufstand: Statt brav ein Buch über die Historie Lissabons auf Fehler durchzusehen, ändert er es eigenmächtig. Die Aktion revolutioniert sein Leben. Er wird zum besessenen Schriftsteller, der nun seine eigene Geschichte der Belagerung von Lissabon schreibt. Ein Sieg der Phantasie über die Fakten. Und gleichzeitig ist dies der Beginn einer wunderbaren Liebesgeschichte.
Über den Autor
José Saramago wurde am am 16.11.1922 in dem Dorf Azinhaga im portugiesischen Ribatejo als Sohn einer Landarbeiterfamilie geboren. Mit zwei Jahren Umzug nach Lissabon. Aus finanziellen Gründen Wechsel vom Gymnasium auf eine berufliche Schule, die er 1939 als Maschinenschlosser verließ. Zwei Jahre Tätigkeit in diesem Beruf in einem Krankenhaus, anschließend Übergang in die Verwaltung. Ab 1955 häufige Aufenthalte im Literatencafé «Café Chiado». Durch Vermittlung Arbeit im Verlag «Estúdios Cor». In dieser Zeit erste Veröffentlichungen. 1969 Eintritt in die (verbotene) kommunistische Partei, erste Auslandsreise (Paris). Ab 1968 literarische bzw. politische Mitarbeit bei verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften; März bis November 1975 beigeordneter Direktor der ältesten portugiesischen Tageszeitung «Diáro de Notícias». Nach der "Nelkenrevolution" 1974 Arbeit im Ministerium für Kommunikation. 1975-1980 verdiente er seinen Lebensunterhalt hauptsächlich als Übersetzer. Seit 1980 war er als freier Schriftsteller tätig. 1986 sprach Saramago sich gegen den Beitritt Spaniens und Portugals in die Europäische Union und für eine Unabhängigkeit der Iberischen Halbinsel aus. Er ist Mitglied des Ordens Militar de Santiago de Espada (Portugal) und des Ordre des Arts et Lettres (Frankreich) sowie Ehrendoktor der Universitäten Turin, Sevilla und Manchester. Seine Werke sind in 26 Sprachen übersetzt. José Saramago lebte zuletzt auf Lanzarote, wo er am 18. Juni 2010 verstarb. Auszeichnungen: Prémio da Associação de Crítícos Portugueses (1979); Prémio Cicade de Lisboa für «Hoffnung im Alentejo» (1980); Prémio Literário Município de Lisboa für «Das Memorial» (1982); Prémio da Crítica da Associação Portuguesa de Crítícos (Prémio D. Dinis) für «Das Todesjahr des Ricardo Reis» (1986); Premio Internazoniale Ennio Flaiano (Italien) (1992); Nobelpreis für Literatur (1998).

