Was bedeutet es, schwerhörig zu sein?: Eine Reise in die Erfahrungswelt schwerhöriger Menschen auf der Basis autobiographischer Berichte. Ein Lesebuch.
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Produktinformation
- Amazon-Verkaufsrang: #589185 in Bücher
- Veröffentlicht am: 2009-04-23
- Einband: Taschenbuch
- 128 Seiten
Aus der Amazon-Redaktion
Kurzbeschreibung
Im Zuge eines zunehmenden Verständnisses psychosozialer Arbeit aus einer Empowermentperspektive heraus bekommt die konkrete Erfahrungswelt Betroffener einen äußerst bedeutsamen Stellenwert in vieler Hinsicht. Einzutauchen in diese Erfahrungswelt ist besonders wichtig, weil es den Betroffenen ihre Stimme gibt und damit »Definitionsmacht« über ihre Angelegenheiten. Es bietet aber auch gut hörenden Menschen die Chance, sozusagen aus erster Hand zu erfahren, was »schwerhörig sein« bedeutet. Sie bekommen dadurch wichtige Impulse für die Beziehungsgestaltung mit schwerhörigen Menschen, sei es in der Frühförderung, in der Familie, in der Schule, im Beruf oder im Alltag. Mit dem hier vorgelegten Büchlein wurde der Versuch unternommen, sich auf die Spur der Erfahrungen schwerhöriger Menschen zu begeben und ihre Erfahrungen aus ihrer Sicht aufzubereiten und verfügbar zu machen. Damit soll ein Mosaikstein zu einem vertieften Verständnis der Situation schwerhöriger Menschen bereit gestellt werden. Auf dieser »Reise in die Welt der Schwerhörigkeit« konnten auf der Basis von Dokumenten Selbstbetroffener insgesamt zehn Erfahrungsbereiche als besonders bedeutsam herausgearbeitet werden (z. B. wie Hören erlebt wird, was Technik kann (und nicht kann), welche Fragen sich für das Selbstwerterleben ergeben, wie Erfahrungen in Familie, Schule, Beruf und im Kreise Gleichbetroffener aussehen etc.).
Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Vorwort Im Zuge eines zunehmenden Verständnisses psychosozialer Arbeit aus einer Empowermentperspektive heraus (vgl. für den Bereich der Erziehung und Bildung von Menschen mit einer Hörschädigung exemplarisch Hintermair & Rohrman, 2006) bereichern die Diskussionen über das, was Behinderung ist oder ausmacht, um eine ganz eigene und für viele (nicht behinderte Menschen) durchaus provozierende Dimension, indem sie vor allem vor dem Hintergrund vielfältigster eigener Erfahrungen herausarbeiten, dass man behindert nicht ist, sondern wird, und dass somit Behinderung nicht als bloß körperlich-medizinisches Phänomen zu betrachten ist, sondern vor allem als soziales und gesellschaftliches Geschehen zu verstehen ist und in diesem Kontext zu prüfen ist, welche Bedeutung eine Beeinträchtigung für die davon Betroffenen in ihrem Leben hat. Einzutauchen in diese Erfahrungswelt gibt ganz im Sinne von Empowerment zum einen den Betroffenen ihre Stimme und damit „Definitionsmacht“ über ihre Angelegenheiten und zum anderen den Menschen, die mit ihnen zusammen leben oder zusammen arbeiten die große Chance, sozusagen aus erster Hand zu erfahren, was – mit Bezug auf die Zielgruppe dieses Büchleins – „schwerhörig sein“ bedeutet und dadurch möglicherweise wichtige Impulse für die Beziehungsgestaltung mit schwerhörigen Menschen zu bekommen. Im Bereich der Hörgeschädigtenpädagogik stand und steht zumeist die Gruppe der gehörlosen Menschen im Fokus der Diskussionen und das nicht zu unrecht. Es gab und gibt Vieles aufzuarbeiten, was in der Vergangenheit versäumt wurde. Das kann und soll an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt werden. Andererseits ist aber bekanntlich die Gruppe der schwerhörigen Menschen schon zahlenmäßig eine weit aus größere als die der gehörlosen und das nicht nur, wenn man die Menschen mit einer Altersschwerhörigkeit hinzunimmt. Nicht zuletzt durch die Entwicklungen der letzten Jahre (Neugeborenen-Hör-Screening, technische Möglichkeiten der Hörversorgung, Cochlea-Implantat) wird diese Gruppe in den nächsten Jahren zunehmend die Zielgruppe werden, die es zu beachten gilt und wo wir auf umfängliche Erkenntnisse angewiesen sind. In dem hier vorgelegten Büchlein wollen wir zu einem vertieftem Verständnis der Erfahrungswelt schwerhöriger Menschen einen kleinen Mosaikstein bereit stellen und uns dabei ganz bewusst auf die Spur der Erfahrungen von Betroffenen begeben, sie aufbereiten und verfügbar machen. Wir denken, dass wir damit einen kleinen Beitrag leisten können, Schwerhörigkeit und schwerhörige Menschen mit ihren Wahrnehmungen in einer vorwiegend gut hörenden Welt, in ihrem Selbstwerterleben, mit ihren Chancen, aber auch mit den Gefährdungen, denen sie ausgesetzt sind, sichtbar zu machen. Dabei werden die großen fachlichen Entwürfe und Diskurse eher bewusst im Hintergrund gehalten, da wir der Ansicht sind, dass der Charme des Büchleins gerade in den authentischen Aussagen der betroffenen Personen liegt, und wir unsere Aufgabe als beobachtende, aufmerksame Begleiter dieser Such-, Bewältigungs- und Orientierungsprozesse gesehen haben. Durch diese „bottom-up-Strategie“ (also von den Erfahrungen der Betroffenen auszugehen) unterscheidet es sich auch mit am deutlichsten von dem mit ähnlichem Titel erschienenen Buch von Werner Richtberg aus dem Jahr 1990 (Was schwerhörig sein bedeutet), bei dem eine „top-down- Strategie“ verwendet wurde und das damit ebenfalls wichtige Erkenntnisse zum Thema „Schwerhörigkeit“ bereit stellt. Wir wünschen allen Leserinnen und Lesern viel Spaß und Erkenntnisse auf dieser Entdeckungsreise durch die vielfältige Erfahrungswelt schwerhöriger Menschen. Freiburg/Heidelberg, im Januar 2009 Jörn Draheim Manfred Hintermair
