Die Weisheit der Vielen
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- Amazon-Verkaufsrang: #97365 in Bücher
- Veröffentlicht am: 2005-11-25
- Originalsprache: Deutsch
- Einband: Gebundene Ausgabe
- 383 Seiten
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Schon lange hatte der Wirtschaftsjournalist James Surowiecki den Verdacht, dass Gruppen klüger sind als Einzelne. Und auch, wenn sich ohne Mühe zu Hauf Beispiele kollektiven Scheiterns aufführen lassen: Die Weisheit der Vielen belegt nicht nur sehr schlüssig, dass richtig zusammengestellte und nach den richtigen Entscheidungsregeln handelnde Gruppen in aller Regel tatsächlich bessere Erfolgvoraussetzungen haben, als Individuen. Er zeigt vor allem, und das wird Manchen dann doch überraschen, dass die oft so verschmähte "Masse" unabhängig voneinander agierender Einzelner bessere Problemlösungen produziert als individuelle Entscheider, wenn sie darauf vertrauen kann, dass ihr Wort tatsächlich etwas zählt.
Dafür führt der Autor des ebenso tiefsinnigen wie andererseits auch amüsanten Buches zahlreiche Belege aus sämtlichen Gesellschaftsbereichen an. So verweist er etwa darauf, dass in der sehr erfolgreichen Fernsehshow "Wer wird Millionär" die individuellen "Telefonjoker" zu 65 Prozent die richtige Antwort parat haben, der Publikumsjoker aber in 91 Prozent der Fälle. Seit langem weisen Wissenschaftliche Untersuchungen in diese Richtung. Surowiecki berichtet hier unter anderem von einem Versuch der Soziologin Kate H. Gordon, die rund 200 Studenten Objekte nach ihrem Gewicht reihen ließ: Zu 94 Prozent erwies sich die Gruppenschätzung als zu 94 Prozent richtig und (abgesehen von wenigen Ausnahmen) besser als jede der individuellen Schätzungen. In einem anderen Versuch bestand die Aufgabe darin, zehn Häufchen grober, auf einem weißen Karton aufgeklebter Schrotkörner, die sich in ihrer Größe nur geringfügig unterschieden, der Größe nach zu ordnen. Auch hier erreichte die Genauigkeit der Gruppenschätzung 94,5 Prozent…
Von diesen Phänomenen ausgehend hat Surowiecki nach Beispielen im wirklichen Leben gesucht. Und er ist dabei auf verblüffende Zusammenhänge gestoßen, die sich nach seiner Überzeugung nicht nur Unternehmen, sondern die Gesellschaft überhaupt zu Nutze machen sollte. Bei alldem blendet der Autor die Tatsache, dass auch Gruppen bisweilen grandios irren, nicht einfach aus, sondern nimmt solche Beispiele zum Anlass, nach den Gründen solchen Scheiterns zu fragen. Wirklich lesenswert! --Alexander Dohnberg
Kurzbeschreibung
Publikumsjoker sticht Expertenmeinung. Oder warum das Wissen der Gruppe zu den besseren Entscheidungen führt.
Die Masse ist dumm, dumpf und gefährlich. Dieses verbreitete und von Wissenschaftlern gestützte Urteil ist falsch. Wahlumfragen, Pferdewetten, der Publikumsjoker bei Günther Jauch, Google oder Millionen Steuerzahler belegen: Die Menge entscheidet in der Regel intelligenter und effizienter als der klügste Einzelne in ihren Reihen. Ihre Problemlösungen greifen besser als die von Experten. Vorausgesetzt, jeder Einzelne denkt und handelt unabhängig, die Gruppe ist groß und vielfältig, und sie kann darauf vertrauen, dass ihre Meinung wirklich zählt. James Surowiecki weist die Weisheit der Vielen und die Überlegenheit kollektiver Intelligenz nach anhand einer Vielzahl von Fallbeispielen aus Alltag, Familie, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Ganz gleich, ob es sich um die Schätzung des Gewichts eines Ochsen, um die Suche nach einem vermissten U-Boot oder die Isolierung des SARS-Erregers geht, Gruppen finden die effektivere Lösung eines Problems. Für die Aufgaben der Gesellschaft der Zukunft sind Experten und (Meinungs-)Führer eher das Auslaufmodell. James Surowiecki belegt die Weitsicht, Intelligenz und Effektivität großer Gruppen und macht einsichtig, dass und warum ganz normale Leute in der Lage sind, sich in einer Gemeinschaft erfolgreich zu organisieren und sich selbst zu verwalten. Ein Buch, das die Weltsicht verändert und neue Perspektiven weist für alle gesellschaftlichen Bereiche.
Mit unverstelltem Blick untersucht der amerikanische Autor das Phänomen der Gruppe und ihrer klugen Entscheidungen, wenn die richtigen Voraussetzungen gegeben sind. Eine aufschlussreiche, unterhaltsame Lektüre und zugleich ein kraftvoller Kontrapunkt zur gegenwärtigen Diskussion um Eliten und einzelne Meinungsführer.
Klappentext
"Die Weisheit der Vielen" ist faszinierend, es ist eines jener Bücher, die die Welt auf den Kopf stellen.
Malcolm Gladwell, Autor von Tipping Point
"Eine witzige, interessante Lektüre - und ein Konzept mit enormem Potenzial für Führungskräfte in Wirtschaft und Politik."
Newsweek
"Ein gelehrtes und unterhaltsames Buch gleichermaßen ... Wie die Leser von Surowieckis Artikel im New Yorker wissen, besitzt er die rare Gabe, schlüssige Gedankengänge mit unterhaltsamen Beispielen zu verknüpfen. Das Buch ist voll gepackt mit amüsanten Ideen, die dem Leser das Gefühl vermitteln, gut unterrichtet zu werden."
The Financial Times
Kundenrezensionen
Viel Weisheit nicht auf den Punkt gebracht
Dem Autor geht es darum, anhand von vielen Beispielen und wissenschaftlichen Experimenten nachzuweisen, dass kollektive Intelligenz ein Schlüssel zu besseren Entscheidungen ist.
Dabei konzentriert er sich auf drei wichtige Arten von Problemen:
a) Kognitionsprobleme; d.h. um das Finden von Antworten auf Fragestellungen.
b) Koordinierungsprobleme; d.h. um das Finden von Möglichkeiten Verhalten zu koordinieren.
c) Kooperationsprobleme; d.h. um Lösungen um das Zusammenarbeiten von Menschen mit Eigeninteressen zu ermöglichen.
Damit "die Masse" diese Probleme besser löst als z.B. ein Expertenzirkel, sind aus seiner Sicht vier Bedingungen zu erfüllen:
1) Meinungsvielfalt
2) Unabhängigkeit der Meinungen des Einzelnen (frei sein von der Beeinflussung durch andere)
3) Dezentralisierung
4) Aggregation (ein Mechanismus bündelt die individuellen Urteile zu einer kollektiven Entscheidung)
Im ersten Teil des Buches beleuchtet Surowiecki seine Theorie der kollektiven Intelligenz. Aus Unternehmenssicht interessant sind insbesondere
1) der Ansatz mit Entscheidungsmärkten bessere Entscheidungen in Unternehmen herbeizuführen.
2) Personaler dürften sich auch im allgemeinen zu wenig klar sein, welches Potenzial in Neuankömmlingen im Unternehmen steckt. Diese Mitarbeitergruppe hält Surowiecki für wichtig, um die in vielen Unternehmen existierenden vorherrschenden Meinungen in Frage zu stellen. Die gescheitesten Gruppen seien die, die aus Personen mit unterschiedlichen Perspektiven bestünden.
3) Sind wirklich die Unternehmen mit den klügsten Mitarbeitern die besten im Markt? Auch das Fachwissen und -kompetenz überbewertet wird, zeigt der Autor an einigen Beispielen auf.
Surowiecki gibt im zweiten Teil seines Buches viele Beispiele, die allerdings auch sehr ausführlich behandelt und besprochen werden. An vielen Stellen innerhalb eines Kapitels kommt es zu Wiederholungen. Die Kapitel hören meist unvermittelt auf. Ein wenig mehr redaktionelle Überarbeitung (und eine bessere Übersetzungsarbeit) hätte dem Buch, insbesondere im zweiten Teil, gut getan.
Phantastisch, aber zu dick und fehlerhaft
Die These ist so einfach wie explosiv, dass sie nur widerwillig zur Kenntnis genommen wird. Denn erstens haben gescheite Leute etwas gegen Einfachheit, und zweitens stehen sie am nächsten beim Explosionsherd. Die Behauptung Surowieckis lautet: Das Urteil einer Gruppe ist meist klüger als das eines klugen Einzelnen. Sofern die Gruppe bunt gemischt ist und sich vor ihrem Befund nicht untereinander abspricht.
Bekannt geworden ist der Autor nicht erst durch sein Buch, sondern als New Yorker Kolumnist. Endlich nicht unter dem Druck einer vorgegebenem Zeilenzahl stehen zu müssen, hat James Surowiecki offenbar dazu beflügelt, die unendliche Weite des Himmel für seine intellektuellen Höhenflüge zu nutzen. Doch die fehlende Konzentration auf sein Thema, die holprige Übersetzung und vielen Druckfehler kosten zwar einen Stern, sollte aber Interessierte nicht davon abhalten, sich den spannend geschriebenen Wälzer anzuschaffen.
Das Buch ist eine Fundgrube für Anekdoten, Geschichten und verblüffende Studien. Und die zahlreichen Storys aus dem ganz gewöhnlichen Alltag, aus wissenschaftlichen Labors und aus der Skandalpresse sind es auch, die den Leser durchhalten lassen. Denn der Autor lebt so mit seiner Entdeckung mit, dass er sich zuweilen in Gegenden verliert, die nur noch am Rande mit der Hauptthese zu tun haben. Das könnte seinen Gegnern dazu dienen, sich unter dem Vorwurf der Geschwätzigkeit davonzuschleichen. Gegner wie CEOs, die ihre astronomischen Gehälter mit dem Verweis auf ihr strategisches und intellektuelles Genie rechtfertigen. Gegner, die an die Machbarkeit des Erfolgs glauben. Gegner, die dem gemeinen Fussvolk nicht viel zutrauen. Doch nach Surowieckis Bestandesaufnahme bisher weit verstreuter Studien und Forschungsergebnisse wird es die Anhänger des Geniekults weit schwieriger werden, für ihr Glaubensbekenntnis die wissenschaftliche Absolution zu erhalten. Da James Surowiecki so gut recherchierte und nicht zu den Gegnern des kapitalistischen Systems gehört, lassen sich seine Ausführungen schwerlich unter Berufung auf Sozialkitsch entsorgen.
Beim Umfang des Buches hätte ich eigentlich erwartet, dass der Autor seine These auch mit Bezügen zu den Lehren der Systemtheorie, Informatik, Neurologie oder Kybernetik erhärtet hätte. Oder gar auf Dawkins und seine Meme eingegangen wäre. Was mich ebenfalls ein wenig befremdete war die Verschmelzung von Anmerkungsapparat und Bibliografie. Und wer gerne mit einem Register arbeitet, merkt schnell, wie wenig hilfreich die gewählten Stichworte in diesem Buch sind.
Mein Fazit: Trotz der erwähnten Mängel verleihe ich dem Buch fünf Sterne, um dessen Ausbreitung nicht unnötig zu behindern. Denn die These Surowieckis ist von so grosser Bedeutung, dass ihrer Kenntnisnahme keine Kleinlichkeiten im Wege stehen sollten. Ausserdem sieht es die Gruppe ohnehin wieder anders.
Lesenswert, aber der Spannungsbogen hat einen Knick... :-)
Die Tatsache, dass Gruppen unter bestimmten Umständen bessere Ergebnisse liefern können als einzelne, teilweise sogar bessere als das beste Mitglied der Gruppe, ist schon interessant, und darum ist das Buch auch lesenswert.
Allerdings reicht diese eine Wahrheit nicht aus, um damit 343 Seiten durchgehend spannend zu füllen. Das heißt: Das Buch hat leider "Längen".
Im ersten Teil wird beschrieben, wann und warum Gruppen die besseren Entscheider sind, im zweiten Teil wird differenziert und dargelegt, wann und wie Gruppen gegenüber Einzelnen versagen. Und auch darin zeigt sich ein stilistischer Mangel: die spannende Kernaussage müsste eigentlich in der zweiten Hälfte des Buches ausgebreitet werden statt schon in der ersten - um den Spannungsbogen zu halten. Aber dann wäre das Buch umso weniger lesbar, da man sich erst einmal durch das, nun zweite, weniger interessante Kapitel "durcharbeiten" müsste.




