Es wird dich rufen
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Produktinformation
- Amazon-Verkaufsrang: #616626 in Bücher
- Veröffentlicht am: 2010-10-11
- Einband: Broschiert
- 429 Seiten
Aus der Amazon-Redaktion
Kurzbeschreibung
Ein geheimnisvolles Amulett ruft den Frankfurter Journalisten Mike Dornbach zu der gefährlichen Suche nach dem eigentlichen Sinn seines Lebens.
Der Mord an einem Priester in der französischen Bretagne bringt ihn in den Besitz merkwürdiger Dokumente und konfrontiert ihn mit einem jahrhundertealten Geheimnis, das bedrohliche Ausmaße annimmt.
Es ist die mysteriöse Geschichte des südfranzösischen Dorfes Rennes-le-Château, in die Mike Dornbach immer tiefer hinein gezogen wird.
Noch ahnt er nicht, dass sich am immer näher rückenden Tag der Schwarzen Sonne das weitere Schicksal der Menschheit entscheidet.
Über den Autor
Simon Cross ist 1974 in Baden-Württemberg geboren und aufgewachsen. Nach seinem Studium der Literaturwissenschaften und Philosophie an der Universität Karlsruhe volontierte er beim privaten Rundfunk und arbeitete mehrere Jahre als Reporter und News-Anchor. Mit »Es wird dich rufen« legt er seinen ersten Roman vor.
Auszug aus dem ersten Kapitel. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Rennes-le-Chateau, Garten der Villa Bethania 4. Januar 1917, früher Abend Marie fröstelte. Es war bereits dunkel geworden. Sie wartete im Garten der Villa Bethania auf zwei unbekannte Besucher, die sich für diesen kalten Januarabend angekündigt hatten. Vor wenigen Stunden erst hatte sie eine Botschaft der Bruderschaft erhalten, die der Abbé immer als die »Bewahrer des Lichts« bezeichnet hatte. Zum ersten Mal, solange sie denken konnte, wollten die Gralshüter aber nicht Saunière sprechen, sondern sie, Marie Dénarnaud, seine Haushälterin. Weshalb, das hatten sie ihr nicht mitgeteilt. Nur, dass sie heute Abend alles erfahren werde. Und, dass sie dem Priester kein Sterbenswörtchen von dem Treffen erzählen dürfe. Normalerweise wäre ihr das nicht leichtgefallen, denn obwohl sich der Abbé in den letzten Jahren sehr verändert hatte – er war kleinlich, kalt und berechnend geworden und hatte seine liebevolle, mitfühlende Art der früheren Jahre verloren –, war er noch immer der Mann, den sie am meisten achtete und respektierte. Manche hätten sogar von Liebe gesprochen. Doch Marie wusste, dass eine Beziehung zwischen ihr und Saunière niemals möglich wäre – allein die Kirche hätte sie verboten. Im Arbeitszimmer des Priesters brannte noch Licht. Saunière lief unruhig auf und ab. Maries Blick folgte seinem Schatten, der sich im Licht der Lampe auf die geschlossenen Vorhänge zeichnete. Ob er bemerkt hatte, dass sie nicht mehr im Haus war? Zumindest im Moment schien nichts darauf hinzuweisen. Wahrscheinlich war es nur das schlechte Gewissen, das sie plagte. Sie fühlte sich beschämt. Schließlich hatte sie Saunière noch nie zuvor etwas verheimlicht. Eine andere Wahl war ihr aber nicht geblieben, denn die Bitte der »Bewahrer des Lichts« war im Grunde genommen ein unmissverständlicher Befehl gewesen, dem sie sich nicht widersetzen durfte. »Sie sind Madame Dénarnaud?«, holte sie plötzlich eine väterlich klingende Stimme aus ihren Gedanken zurück in die kühle Realität des Winterabends. Marie drehte sich um. Direkt vor ihr stand offenbar einer der beiden Fremden, die sie erwartete. Sein Begleiter verharrte einige Meter weiter dahinter – in der Nähe der Straßenlaterne vor dem Pfarrgarten. Die beiden Besucher trugen dunkle Umhänge und schwarze Zylinder. Rein äußerlich unterschieden sie sich kaum. Der Mann, der sich vor ihr aufgebaut hatte, war um die 40 Jahre und hatte eine leicht untersetzte Statur. Er trug einen kleinen Schnauzer. »Ich bin froh, dass Sie gekommen sind«, begrüßte er Marie mit warmem Händedruck. Seine Stimme klang freundlich und fordernd zugleich. Marie fühlte sich unsicher, weil sie weder die nächtlichen Gäste noch den genauen Grund ihres Besuches kannte. »Wir müssen mit Ihnen sprechen, Madame! Es handelt sich um eine Angelegenheit von äußerster Wichtigkeit. Eine Angelegenheit, bei der nur Sie uns helfen können.« »Wer sind Sie?«, fragte Marie. »Unsere Namen tun nichts zur Sache«, erwiderte der Mann. »Wir sind die ›Bewahrer des Lichts‹. Mehr müssen Sie nicht wissen.« Marie nickte. »Ich verstehe! Und was kann ich für Sie tun?« Der Mann griff sanft nach ihrem Arm und führte Marie vor Saunières Villa Bethania, direkt neben das mächtige Eingangsportal. Über ihnen breitete die Christus-Statue, die Saunière unterhalb des Daches hatte anbringen lassen, schützend ihre Arme aus. Auf dem Weg dorthin hatte Marie nochmals zum Arbeitszimmer des Priesters hinaufgesehen. Dieser schien sich inzwischen an seinen Schreibtisch gesetzt zu haben. Der Schnauzbärtige drehte sich Marie zu. Sein Blick wirkte traurig und entschlossen zugleich. Im sanften Licht des Mondes, das nun direkt auf sein Gesicht fiel, bemerkte sie eine tiefe Narbe, die sich gut drei Zentimeter über die rechte Wange erstreckte. Der Mann musterte Marie aufmerksam. »Sie haben dem Abbé nichts von unserem Treffen erzählt?«, erkundigte er sich höflich. »Es war mir nicht gestattet«, sagte sie ehrfürchtig. »Das ist nicht die Antwort auf meine Frage«, hakte er freundlich, aber bestimmt nach. »Haben Sie es ihm gesagt?« »Nein!«, versicherte Marie wahrheitsgemäß. »Das habe ich nicht.« Der Begleiter des Mannes drehte sich unruhig um, als habe er Angst, entdeckt zu werden. Das war Marie schon zuvor aufgefallen. Nur: durch wen? Zu dieser Jahreszeit und bei den kalten Temperaturen war die Wahrscheinlichkeit, abends auf einen der wenigen Bürger des kleinen Dorfes zu treffen, äußerst gering. Zumal die nächsten bewohnten Gebäude weit entfernt hinter dem Garten der Villa lagen. »Sie wissen von den neuesten Plänen Saunières?« »Meinen Sie den Bau des Tempels?«, fragte Marie, die ahnte, worauf der Botschafter hinauswollte. Insgeheim hatte sie es schon befürchtet: Saunières Pläne konnten nicht unbemerkt geblieben sein. Allerdings war Marie bislang davon ausgegangen, dass er diese, wie all seine anderen Vorhaben auch, mit den »Bewahrern des Lichts« abgestimmt hatte. »Saunière hat nicht nur uns damit sehr beunruhigt«, bemerkte der Mann nervös. »Ein Tempel dieser Größenordnung würde die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich ziehen – und damit auch auf uns. Das können wir weder akzeptieren noch können wir es uns leisten. Wir müssen die …« Der Mann hielt einen kurzen Moment inne. »Wir müssen das Geheimnis um jeden Preis bewahren. Verstehen Sie? Um jeden Preis!« »Ich weiß«, sagte Marie. »Und wir können nicht riskieren, dass es bekannt wird, nur weil der Abbé sich ein Denkmal setzen will, das er in diesem Ausmaß nicht verdient hat!« Marie schaute den Mann nachdenklich an. Ein Denkmal, das er nicht verdient hat. Eine freundliche Umschreibung für das, was der Botschafter wohl eigentlich meinte: Größenwahn. Sie selbst hatte Saunière immer wieder vor den gewagten Plänen eines Tempelbaus gewarnt. Alleine die Kosten schienen ihr unbezahlbar zu sein, selbst für einen Abbé Saunière mit all seinen Möglichkeiten. »Madame Dénarnaud«, fuhr der Mann fort. »Wir sind außerordentlich besorgt über die jüngsten Ereignisse in Rennes-le-Château. Und auch Rom hat nicht das geringste Interesse daran, dass Saunière dieses Projekt verwirklicht.« Seine Stimme war deutlich strenger geworden. »Unsere Zukunft, ja, wahrscheinlich sogar die Zukunft der ganzen Welt steht auf dem Spiel, wenn wir zulassen, dass dieser Tempel gebaut wird. Es wäre der Anfang vom Ende. Der Anfang der Apokalypse.« Marie blickte ihn mit großen Augen fragend an. Sie war nicht in der Lage, die Tragweite seiner Aussage zu erfassen. Wie sollte ein simples Bauprojekt, egal welch unangemessene Größenordnung es auch haben mochte, die Zukunft der Welt gefährden? »Madame Dénarnaud! Wir müssen davon ausgehen, dass der Abbé der Macht dessen, was er beschützen sollte, nicht mehr gewachsen ist.« Der Mann zögerte einen Moment, als müsse er überlegen, wie er eine für alle Beteiligten unangenehme Nachricht möglichst behutsam weitergeben konnte. »Ich fürchte, Saunière hat sich von der dunklen Macht einnehmen lassen.« »Das können Sie nicht ernst meinen!«, rief Marie entsetzt aus. Die Männer erschraken aufgrund der Lautstärke und baten sie mit einer beruhigenden Geste, leiser zu sprechen. Dann führten sie sie den Weg hinab in Richtung der kleinen Grotte, die Saunière mit eigenen Händen in den Pfarrgarten gebaut hatte. Sie war eine Ehrerbietung an Maria Magdalena, der er einen großen Teil seines Lebens gewidmet hatte. Natürlich war es richtig, dass sich der Abbé in letzter Zeit auffallend verändert hatte. Das war keinem verborgen geblieben. Aber dass er deswegen gleich im Dienst des Teufels stehen sollte? Ein tiefgläubiger Gottesmann wie Saunière? Niemals! Das konnte nicht sein! Marie zitterte angesichts der unglaublichen Vorwürfe. »Sie liegen vollkommen falsch!«, widersprach sie, um den Botschafter eines Besseren zu belehren. Der blickte Marie verständnisvoll und mit einem sanftmütigen Lächeln an. »Verzeihen Sie mir! Ich wollte Ihnen nicht wehtun, Madame. Wir wissen natürlich, dass Sie ihm näherstehen als jeder andere. Umso schmerzlicher ist es, Ihnen diese bedauerliche Nachricht überbringen zu...
