Denn die Seele ist in deiner Hand: Ein Inspektor-Ochajon-Roman
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- Amazon-Verkaufsrang: #40394 in Bücher
- Veröffentlicht am: 2005-03-01
- Originalsprache: Deutsch
- Einband: Taschenbuch
- 448 Seiten
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"Ein terroristischer Hintergrund?" -- In einem Staat, in dem dies die erste Frage ist, die jemandem einfällt, wenn die Polizei zu ihm kommt und die Nachricht vom Tod eines Menschen überbringt, in einem solchen Staat ist einiges im Argen. Und tatsächlich bekommen wir das Israel der Gegenwart, das uns Batya Gur in ihrem Kriminalroman Denn die Seele ist in deiner Hand schildert, als einen Staat vorgeführt, in dem die inneren Probleme fast unlösbar scheinen.
Der Mord, den Michael Ochajon, Kommissar bei der Jerusalemer Kriminalpolizei, aufzuklären hat, ist allen zunächst ein Rätsel: Eine junge Frau ist brutal ums Leben gebracht worden, eine selbstbewusste, lebenslustige, bildhübsche Frau, die in der Nachbarschaft nur "Zohra, die Glänzende" hieß, so umwerfend war ihre Ausstrahlung. Als die Beamten herausfinden, dass Zohra schwanger gewesen war, glauben sie, auf der richtigen Fährte zu sein. Doch bald tun sich andere Spuren auf: Von einem seit Jahrzehnten schwelenden Nachbarschaftsstreit ist immer wieder die Rede. Und warum hat Zohra in der Zeit vor ihrem Tod so intensiv der Vergangenheit ihrer aus dem Jemen eingewanderten Familie nachgeforscht?
In ihrer bewährten Manier benutzt Gur vordergründig eine Krimihandlung, um die gesellschaftlichen Zustände des gegenwärtigen Israel plastisch darzustellen. So ist das eigentliche Thema dieses Romans der Melting Pot Jerusalem, in dem es nicht nur zwischen Juden und Arabern immer wieder zu heftigen Konflikten kommt (das sowieso!), sondern in dem sich auch die Juden selbst je nach ihrer geografischen Herkunft wie verfeindete ethnische Gruppen verhalten: die Nordafrika-Juden (wie Ochajon einer ist) gegen die Jemeniten; die "Holocaust-Juden" aus Europa gegen die alteingesessenen Jerusalemer.
Wie immer bei Gur, bekommt man in diesem Buch ungeheuer viel vom Inneren des heutigen Israel mit. Wie schon öfters, bleibt dabei aber die Krimihandlung phasenweise auf der Strecke: Ganze Kapitel, in denen beispielsweise die Zusammensetzung eines Jerusalemer Stadtviertels beschrieben oder der Leidensweg der Jemeniten diskutiert wird, tragen nichts zum Fortgang des vordergründigen Plots bei. Das beiläufige Nebenbei, mit dem uns etwa Henning Mankell in seinen Wallander-Krimis die schwedische Realität nahe bringt, gelingt Gur nicht wirklich; man merkt an manchen Stellen zu deutlich, dass die Krimihandlung nicht der Kern, sondern nur die Hülle des Romans ist. Daher ist dieses Buch in der Hauptsache den Lesern ans Herz zu legen, die auf unterhaltsame und durchaus spannende Weise etwas über Israel erfahren möchten. --Christoph Nettersheim
Pressestimmen
"Batya Gur ist die Pathologin einer Gesellschaft, deren Innenleben schon ohne Mord und Totschlag spannend ist wie ein Krimi." (Spiegel )
"Batya Gurs Detektivromane eröffnen deutschen Zeitungslesern den Zugang zu einem Israel, das sie aus den Nachrichten der letzten Jahre nicht kennen gelernt haben. Man wünscht sich noch mehr Begegnungen mit diesem Kommissar Ochajon." (Die Welt )
"Ein besonders mitreißendes Buch von Batya Gur, mit dem sie einmal mehr beweist, was sie eigentlich gar nicht mehr beweisen muss - dass sie die beste Krimiautorin Israels ist!" (Ma' ariv )
Kurzbeschreibung
Auf dem Speicher eines verlassenen Wohnhauses in der Jerusalemer Altstadt wird die Leiche der 22-jährigen Zohra entdeckt. Bei seinen Ermittlungen stellt Inspektor Ochajon fest, dass die schöne junge Frau Geheimnisse in ihrem Leben barg, von denen niemand etwas ahnte. Wenig später verschwindet auch noch die zehnjährige Nesja spurlos, die Zohra vergötterte und sie stets genau beobachtet hat. Offensichtlich weiß das Kind mehr über die Hintergründe der Tat - und schwebt nun selbst in höchster Gefahr...
Kundenrezensionen
Spannende Pathologie einer zerissenenen Gesellschaft
Es ist einige Jahre her, dass ich die ersten Romane mit Inspektor Ochajon gelesen habe. Was sich in diesen ersten Büchern schon andeutete, setzt sich in „Denn die Seele ist in deiner Hand" fort. Kurz nach Beginn der zweiten Intifada 2001 spielt dieser Roman, in dem eine junge Frau mit zerschmettertem Gesicht aufgefunden wird und ein kleines Mädchen als wichtige Zeugin plötzlich verschwindet.
Der Fall entwickelt sich, aber viel stärker als zuvor beschreibt Gur ihre Figuren auf dem Hintergrund der israelischen Gesellschaft zu Beginn des 21. Jahrhunderts, die geprägt ist von tiefen Spaltungen zwischen Juden und Palästinensern, frommen und säkularen Juden, Aschkenasim( Juden europäischer Abstammung) und Juden aus dem arabischen Raum. Diese Spaltungen spiegeln sich auch im Ermittlungsteam, das trotz aller Schwierigkeiten schlussendlich zum Erfolg kommt.
Wen zum Teil sehr detaillierte Schilderungen von innerjüdischen und innerisraelischen Skandalen nicht abschrecken, wen der Zustand der israelischen Gesellschaft mitten in der zweiten Intifada interessiert, wer zudem wissen will, wie die Geschichte von Michael Ochajon und seinem Team weitergeht, dem sei dieser Roman sehr empfohlen. Hauptsächlich für ein innerisraelisches und jüdisches Publikum geschrieben, leidet das Buch allerdings daran, dass die Dialoge oft zu ausufernd gestaltet sind und dass die neue Übersetzerin nicht immer ein glückliches Händchen hatte.
Ein Kriminalroman der Extraklasse, dem es gelingt, dem Leser ein Gefühl und Verständnis für die soziale und sozialpsychologische Situation seines Herkunftslandes zu vermitteln. Eine Qualität, die manch anderem Krimi zu wünschen wäre.
Muss es denn ein Krimi sein, Frau Gur?
Um es vorweg zu sagen, ich schätze Frau Gur hinsichtlich ihres schriftstellerischen Potentials, weniger als Autorin von Kriminalromanen, der die deutsche Leserschaft jetzt schon einige Bände ihrer Kommissar–Ochajon–Krimiserie verdankt. Sie hat uns mit „Denn die Seele ist in deiner Hand“ ein neues Werk geschenkt. Wieder geschieht die Tat vor dem Hintergrund der aktuellen, israelischen Gegenwart, in der dieses mal der allgegenwärtige Terrorismus den Backround abgibt. Mit all seinen Folgen bis hin zu eindeutig rassistischen Vorurteilen gegen alles was nicht jüdisch ist.
Das Rätsel, weshalb die junge Zohra in brutaler Weise ermordet wurde rückt bald in den Hintergrund, denn die Ursache der Tat liegt natürlich nicht im normalen, kriminellen Umfeld, mit dem es jedes Land weltweit aufzunehmen hat, sondern ist zu suchen im gesellschaftsspezifischen Hintergrund des israelischen Staates und seiner zusammengewürfelten Bevölkerung. Und diese eint – mehr oder weniger – nur die gemeinsame Religion. Dagegen habe ich nichts. Aber und – ich muss es leider sagen – ihr gelingt es auch dieses mal nicht, trotz oder gerade wegen aller Wortgewalt, einen spannenden Kriminalroman zu schreiben. Sie verpackt die Krimi-Story wieder in den leider bei ihr üblichen Wust von Nebensächlichkeiten, der offensichtlich erscheinen lässt, dass sie lieber einen gesellschaftskritischen Roman geschrieben hätte. – Und da fragt sich der geneigte und bald ermüdete Leser: Warum schreibt sie denn nicht ein Buch über Israel, die Kompliziertheit des Miteinanders der verschiedenen Bevölkerungsgruppen und der Ursachen des Konflikts mit den Nachbarländern? Das ist es, was sie als Autorin bewegt, was sie ihren Lesern eigentlich mitteilen will.
Rund Zweihundert anstatt Vierhundertachtundvierzig Seiten hätten ausgereicht, um dem Anspruch eines „besonders mitreißenden Buch(es)“ und einem als „herausragenden Kriminalroman“ apostrophierten Werk, wie es der Klappentext suggeriert, gerecht zu werden. Aber ich denke, die Autorin wird auch in Zukunft keinen Krimi unter vierhundert Seiten schreiben. Leider. HMcM
Inspektor Ochajon mag ich
Batya Gur (1947 - 2005) behandelte in allen Romanen, nicht nur in diesem, recht offen und durchaus kritisch den, auch bei vielen Israelis, umstrittenen Umgang mit den Palästinensern.
Die Krimis mit dem charismatischen Inspektor Ochajon, einem eingewanderten, marokkanischen Juden, sind spannend, aber nicht reißerisch geschrieben.
Man erfährt sehr viel über das Land Israel, seine Einwanderer und die daraus resultierenden Animositäten der unterschiedlichen Herkünfte.
Jedes ihrer Bücher zieht einen in eine abgeschlossene, kleine Welt, aus der es erst auf der letzten Seite ein Entrinnen gibt.
Keine 0/815 Krimi-Kost und kein typischer Krimi!
Spannungsroman wäre die richtige Bezeichnung.
5 Sterne habe ich für die Art und Weise, wie die Schriftstellerin ihre Themen behandelte und ihren Schreibstil abgegeben, nicht unbedingt für den Plot dieses interessanten Buches.




