Schwarze Frau, weißes Land
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- Amazon-Verkaufsrang: #19384 in Bücher
- Veröffentlicht am: 2010-05-05
- Originalsprache: Deutsch
- Einband: Gebundene Ausgabe
- 352 Seiten
Kundenrezensionen
Wie gewohnt
Wie immer wenn Waris Dirie ein Buch veröffentlicht, ist es ein interessantes und aufrüttelndes Buch. Sie schreibt über die Entstehung der Verfilmung ihres Lebens, über die Geburt ihres zweiten Sohnes und über ihren Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung.
Definitiv lesenswert.
Einzig, was mir persönlich nicht gefiel: Sie hat dem Vater ihres Sohnes nichts von dessen Existenz gesagt. Finde ich moralisch daneben. Vielleicht wird ihr Sohn eines Tages nach ihm fragen.
Wichtiger ist jedoch dass ihr Kampf gegen die weibliche Genitalverstümmelung nun neue Ansätze gefunden hat und sie nun mehr direkt vor Ort in Afrika die Probleme angreifen will und wird.
In der Fremde ist die Heimat schön
Waris Dirie meldet sich zurück und präsentiert in ihrem nunmehr fünften (und sicherlich nicht letzten!) Buche neue Lebensaufgaben: Neben der Rettung Afrikas hat das Ex-Model die Verfilmung ihres Erstlingswerkes "Wüstenblume" ins Auge gefasst und überwacht mit Argusaugen sowohl den Dreh in der somalischen Community in Dschibuti als auch das Casting einer geeigneten Darstellerin, die ihr Alter Ego mimen soll.
Auch hat sich auch in ihrem Privatleben etwas getan - in Europa ist sie nicht mehr glücklich, nachdem sie sich mit Rassismus gegen schwarze Frauen auseinander gesetzt sieht und sogar von einem Taxifahrer entführt wird. Andererseits hielt sie es auch in Afrika nicht lange aus, wo sie Missstände wie Korruption und Sicherheitsbedenken dazu veranlassten, nach kurzem Aufenthalt wieder nach Europa zu ziehen. Nebst diesem unruhigen Nomadendasein entdeckt sie schließlich, dass sie schwanger ist. Der kleine Leon kommt (in Österreich) zur Welt und Waris beschließt, ihrem Kind etwas zu geben, was sie selbst nicht hatte, eine Heimat - dies erneut in Afrika.
Schwierig, den Inhalt des Buchs auf den Punkt zu bringen. Im Grunde könnte man ihn in Viertel unterteilen:
1. Einerseits geht es um die Diskriminierung der ausländischen (bzw. ausländisch aussehenden) Frau ist Europa, die damit verbundenen Gefühle der Heimatlosigkeit und nostalogische Erinnerungen an Somalia, in das sie mangels Sicherheit nicht einreisen kann. Die gefühlte Entzweiung zwischen Heimat und Herkunft wird vor allem am Beispiel Brüssel März 2008, wo sie als Menschenrechtsaktivistin vorsprechen soll, aber entführt wird. Manche werden sich vielleicht erinnern, dass ihr Verschwinden und rätselhaftes Auftauchen durch die Medien ging; man sollte allerdings keine detailgenauen Schilderungen erwarten, was bei dieser Entführung wirklich geschah. Das ist aber wahrscheinlich auch eine juristische Angelegenheit.
Statt sesshaft zu werden, zieht sie vom einen europäische Land ins Nächste, hält es dabei aber auch in Afrika nicht lange aus - so dass man sich fragen muss, ob Frau Diries Problem in Wahrheit nicht eher Rastlosigkeit ist.
2. Ein anderes große Thema ist der kleine Leon, dessen Zeugungsumstände und Vater Frau Diries gänzlich als Privatsache ahndet, was ansich auch völlig gerechtfertigt ist. Allerdings verkündet sie im nächsten Satz stolz, dass sie dem Vater nicht einmal mitteilen wird, dass sie schwanger ist. Schade, denn wenn man seinem Kind eine Heimat bieten will, sollte man vielleicht nicht ausschließen, dass es auch gerne einmal seinen Vater (und umgekehrt) kennenlernen würde.
Weiterhin wirkt es etwas unauthentisch, zu predigen, Afrika müsse gestärkt und ernst genommen werden - wo kommt das Kind aber zur Welt? In Österreich. Es wird auch nicht recht klar, warum sie denkt, dass ihr Kind in Österreich selbst keine Heimat finden soll. Und dass Frau Dirie es diesmal besonders lange in Afrika aushalten wird, darf ebenfalls bezweifelt werden, denn schon der Untertitel des Buches lautet "Ich bin immer eine Nomadin geblieben". Ein stabiles Umfeld würde einem Kind aber eher bei der Heimatfindung helfen.
Merkwürdig ist auch die Verhätschelung des neuen Kindes, und die Bekundungung, dass sie es nie verlassen werde - während ihr erstes Sohn nur mal so am Rande erwähnt wird.
3. Das dritte Viertel besteht aus Werbung für den Film; wer den Film hier nicht gesehen hat, wird sich bei den ausführlichen Beschreibungen der Castings eher langweilen. Vermutlich wird genau das viele anregen, den Film sozusagen als Begleitwertk heranzuziehen.
4. Zuguterletzt ist das Buch Selbstbeweihräucherung auf höchstem Niveau, was leider seinen größten Kritikpunkt ausmacht. Frau Dirie lässt keine Möglichkeit aus, sich selbst als "International gefragtes Top-Model" und "Bondgirl" zu bezeichnen. Der häufigste Satz, den man im Buch liest ist etwa "Waris, du bist eine Heldin, ich möchte sein wie du!", denn natürlich hat die überwiegend analphabetisch geprägte somalische Community in Dschibuti jedes der vier Bücher von Waris gelesen. Waris castet für ihre eigene Rolle ebenfalls ausschließlich ein Topmodel und im Folgenden wird der Film in den Himmel gelobt, als sei er das Wort Gottes (dabei hat er mit dem Buch nicht einmal viel gemeinsam und grenzt eher an eine Kommödie).
Natürlich ist es toll, dass Frau Dirie eine stolze Frau ist, das ist wichtig, um sich durchzusetzen - allerdings darf Selbstüberzeugung auch nicht in Narzissmus gipfeln, wenn man hauptsächlich soziale und politische Botschaften durchsetzen will.
beeindruckend authentisch
In ihrem neuen Buch "Schwarze Frau, Weißes Land" erzählt Waris Dirie von ihrem Kamf gegen femal genital mutilation (FGM), die Genitalverstümmelung bei Frauen. Seit ihrem Erfolg mit dem Buch "Wüstenblume" reist sie durch die ganze Welt, vor allem durch Europa und Amerika, um die Menschen auf dieses Verbrechen, an meistens kleinen Mädchen, aufmerksam zu machen. Denn nicht nur in Afrika, sondern auf der ganzen Welt gibt es diese grausame Praxis, weil die Eltern meinen, ihre Tochter bekomme sonst keinen Ehemann.
Trotz ihres großen Erfolges, ihres Engagements als UN - Botschafterin und der Gründung ihrer eigenen Foundation, ist Waris Dirie nicht zufrieden, denn immernoch werden kleine Mädchen genitalverstümmelt, wie sie selbst einst. Deshalb denkt sie über einen Neuansatz ihrer Arbeit nach, schon länger überlegt sie, wieder nach Afrika zurückzukehren, doch die Erfüllung dieses Wunsches zieht sich einige Zeit hin. Währendessen begleitet sie die Verfilmung ihres Buches "Wüstenblume". Die Dreharbeiten dazu laufen unter anderem in der Nähe der Somalischen Grenze, der Grenze zu ihrem Heimatland.
Nach der Begegnung mit Frauen, Müttern von kleinen Mädchen und sich selbst, mitten in der Wüste, beschließt sie ihre Arbeit auszuweiten und nach Afrika zu gehen. Dort will sie sich für die Frauen Afrikas einzusetzen, denn nur, wenn die afrikanischen Frauen nicht mehr unterdrückt werden, sie Zugang zu Bildung bekommen, können sie die Geschicke ihres Landes selbst erfolgreich in die Hand nehmen.
Den Sommer verbringt Waris Dirie in Polen, an der Ostseeküste. Dort merkt sie auch, dass sie schwanger ist. Ihren zweiten Sohn Leon bringt sie in Wien zur Welt. Und mit der Geburt, so schreibt sie, verändert sich ihr Leben noch einmal komplett. Sie stürzt sich in die Arbeit, recherchiert und trifft sich mit Menschen, die sie bei ihrer Vision von der Gleichberechtigung afrikanischer Frauen unterstützen oder Vorbild sein können.
Ein weiteres Buch in dem sich Waris Dirie unermüdlich gegen die Unterdrückung der Frauen ausspricht, das allen zu empfehlen ist, die sich engagieren oder informieren wollen oder dies schon tun. Vieles, das etwas verändern könnte scheint so leicht, aber allein ist es nicht zu schaffen...




