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Das Geheimnis des fünften Evangeliums: Warum die Bibel nur die halbe Wahrheit sagt

Das Geheimnis des fünften Evangeliums: Warum die Bibel nur die halbe Wahrheit sagt
Von Elaine Pagels

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  • Amazon-Verkaufsrang: #51315 in Bücher
  • Veröffentlicht am: 2006-08-01
  • Einband: Taschenbuch
  • 240 Seiten

Aus der Amazon-Redaktion

Neue Zürcher Zeitung
Ausgeschlossene Gottsucher? Elaine Pagels über das «Geheimnis des fünften Evangeliums». Von Ekkehard W. Stegemann Die in Princeton lehrende Religionsgeschichtlerin Elaine Pagels hat in der Erforschung der 1943 in Nag Hammadi in Ägypten entdeckten Bibliothek koptisch-gnostischer Texte einen glänzenden Namen. Kennzeichnend für ihre Arbeiten ist, dass sie gelehrte historisch-kritische Exegese mit einer Profilierung gegenwartsrelevanter Fragen verbindet, die sich aus den frühchristlichen Kontroversen über die gnostischen Texte ergeben. Eines ihrer auch in deutscher Sprache erschienenen Bücher («Versuchung durch Erkenntnis. Die gnostischen Evangelien», 1981) schloss darum fast entschuldigend damit, dass sie keineswegs «für eine Rückkehr zum Gnostizismus eintrete», doch dass durch die neu entdeckten Texte eine damals wie heute wichtige Auseinandersetzung neu beleuchtet werde. Das, worum es geht, fasste sie in die Frage: «Welche Autorität hat die eigene Erfahrung im Verhältnis zu der, die für die Schrift, das Ritual und den Klerus geltend gemacht wird?» Daran knüpft Pagels' hier anzuzeigendes jüngstes Buch an, und zwar in deutlich positiver Akzentuierung der eigenen religiösen Erfahrung und deutlich kritischer Einschätzung der kirchlichen Autorität. Die halbe Wahrheit Der deutsche Titel des Buches – «Das Geheimnis des fünften Evangeliums» – ist irreführend. Denn das koptische Thomasevangelium, das mit dem «fünften Evangelium» gemeint ist, spielt nur in einem der fünf Kapitel eine Rolle. Eher schon trifft der Untertitel – «Warum die Bibel nur die halbe Wahrheit sagt» –, was Pagels' Buch versucht, nämlich jenseits dessen, was in den ersten Jahrhunderten in Glaubensartikeln und in den kanonisierten Schriften als normatives Christentum formiert wurde, eine alternative christliche, eben gnostische Spiritualität zu beschreiben, die mit jenem «Credo» ausgeschlossen wurde. Rekonstruiert wird eine Geschichte, in der – beginnend mit dem Johannesevangelium, seiner Aufnahme in den Kanon und insbesondere mit Irenäus und seiner antignostischen Polemik – am Ende mit Konstantin und dem Konzil von Nicäa eine kirchliche Engführung über den ursprünglichen Pluralismus obsiegte. Ausgeschlossen wurden damit «Gottsucher», die nach Möglichkeiten eigener spiritueller Erkenntnis und Erfahrung und nicht nach «Lehrgebäuden» fragten; und aufgerichtet wurde damit eine katholische, eine «weltweite und allgemeine Kirche», die durch die Trinität von «Schriftenkanon, Credo und klerikaler Hierarchie» ihren absoluten Wahrheitsanspruch untermauerte. Das erste Kapitel entwirft die ganze Entwicklung schon, und zwar als eine «vom frühchristlichen Liebesmahl zum Glaubensbekenntnis von Nicäa». Eine offene, für Aussenstehende attraktive, durch ihre caritative Praxis zumal ausgezeichnete und in sich vielfältige christliche Gemeinschaft wird mit dem Credo so reguliert, dass der Zugang und die Zugehörigkeit zu ihr an ein «Bekenntnis zu einem komplexen System von Gott und Jesus betreffenden Glaubensartikeln» geknüpft wird. Das zweite Kapitel sieht das kanonische Johannesevangelium mit dem koptischen Thomasevangelium «im Widerstreit»: Dieses sagt allen Menschen zu, dass sie aus dem göttlichen Licht stammen, dass das Göttliche als Licht in ihnen wohnt; jenes beschränkt dies allein auf den Gottessohn Jesus als das Licht der Welt. Am «ungläubigen Thomas», so meint Pagels, demonstriere Johannes seine Wahrheit, die jener denn auch «kleinlaut» bekennen müsse. Kanonisierung Wie nun das Johannesevangelium mit seinem Absolutheitsanspruch im Namen des Gottessohns Jesus obsiegte, erklären das dritte und das vierte Kapitel: Es war Irenäus, der das viergestaltige kanonische Evangelium durchsetzte und dabei das vierte, das Johannesevangelium, das doch durchaus auch umstritten war, zum ersten und eigentlichen Evangelium erklärte. Doch da auch diese kanonischen Evangelien der Deutung unterliegen und damit dem Irrtum oder der Irrlehre anheim fallen können, hat Irenäus das rechtgläubige, das orthodoxe Christentum «konstruiert», indem er einen «Kanon der Wahrheit» aufstellte und zugleich alles, was davon abwich, als Häresie brandmarkte. Doch erst mit Konstantin und dem Konzil von Nicäa wurde dieser Kanon zum Glaubensbekenntnis, zum verbindlichen Credo. Dies beschreibt das letzte Kapitel. Elaine Pagels ist eine zu gelehrte Historikerin, als dass das, was ich hier holzschnittartig als Skelett des Buches herausgestellt habe, nicht zugleich auch in kenntnisreiche und differenzierte Zusammenhänge gestellt würde. Irenäus ist für sie nicht einfach der ketzerfressende «Schurke im Stück», Kaiser Konstantin nicht einfach ein zynischer Machtmensch, der das Christentum für eigene Interessen manipulierte. Auch weiss sie, dass das durch Kanon, Credo und Hierarchie regulierte Christentum nicht «ein veritabler monolithischer Block der Eintracht und Einheitlichkeit geworden ist». So gesehen fällt sie sich gewissermassen immer wieder selbst ins Wort, falls die Tendenz zu simpel werden, zu sehr zur Schwarzweissmalerei drängen könnte. Am Ende zu einfach Gleichwohl ist der Gegensatz der gnostischen Evangelien zur Orthodoxie, der für Pagels insbesondere darin besteht, dass wir – in gnostischer Perspektive – «eine verborgene Fähigkeit in uns tragen, die zwischen uns und der transzendenten Sphäre eine Verbindung schafft», doch ein zu einfacher. Der streng theozentrische Ansatz der altkirchlichen Glaubensbekenntnisse, der das trinitarische Handeln Gottes am Menschen in den Mittelpunkt stellte, konnte sich auch mit reicher Spiritualität auf der menschlichen Seite verbinden. Er hegte und hegt freilich einen Illusionsverdacht; der Illusion verdächtig ist die Verortung der Gotteserkenntnis in einer (bloss) menschlichen Fähigkeit. Doch in der Moderne, etwa bei Schleiermacher, konnte beides, Gott und Gefühl, durchaus theologisch vermittelt werden. Insofern hat Pagels dann doch eine anachronistische Form der Aktualisierung altchristlicher Kontroversen gewählt. Insgesamt passt ihr Buch jedoch zu einer Tendenz der modisch gewordenen Kritik am «orthodoxen» jüdisch-christlichen Monotheismus. Was an ihm zu verteidigen wäre, übrigens auch gegen die Kritik an der «mosaischen Unterscheidung» und das Plädoyer für einen «Kosmotheismus» bei Jan Assmann, könnte paradoxerweise die Säkularität sein, die der Monotheismus im Zusammenhang der Subjekt- und Freiheitsgeschichte in der Moderne aus sich heraussetzte. Sie gründet letztlich darauf, dass das Endliche das Unendliche nicht zu fassen vermag.

Pressestimmen
»Die Autorin, heute Professorin für Religionswissenschaften an der Princeton University, zählt seit ihrem 1979 veröffentlichten Buch ›The Gnostic Gospels‹ zu den international anerkannten Experten für die Schriften von Nag Hammadi. In ihrem jüngsten Werk präsentiert sie die Ergebnisse von 25 Jahren Forschung in allgemein verständlicher und spannender Form.«
Anthroposophie im Dialog März 2007

»Elaine Pagels bietet überraschende Einblicke in ein nahezu zwei Jahrtausende lang verschollenes Evangelium. Mit dem vollständigen Text des Thomasevangeliums.«
Der Medienbrief

»Die in Princeton lehrende Religionsgeschichtlerin Elaine Pagels hat in der Erforschung der 1943 in Nag Hammadi in Ägypten entdeckten Bibliothek koptisch-gnostischer Texte einen glänzenden Namen. Kennzeichnend für ihre Arbeiten ist, dass sie gelehrte historisch-kritische Exegese mit einer Profilierung gegenwartsrelevanter Fragen verbindet, die sich aus den frühchristlichen Kontroversen über die gnostischen Texte ergeben.«
Neue Zürcher Zeitung

»Sehr spannend.«
Berliner Zeitung

»Elaine Pagels’ klares, poetisches und zugleich wissenschaftlich fundiertes Buch ist ein Überraschungserfolg. Schon nach einem Monat hat es die Bestsellerlisten erobert und wurde mehr als 100.000mal verkauft.«
The New York Times

Kurzbeschreibung
Verehrt, verboten, wiedergefunden - das Rätsel des Thomasevangeliums.

Wie lautete die Botschaft von Jesus wirklich? Wie hätte sich das Christentum entwickeln können, wenn sich »die andere Seite« durchgesetzt hätte? Diesen Fragen geht Elaine Pagels in diesem so lehrreichen wie spannenden Buch nach.

Unter den frühchristlichen Schriften, die 1945 in der Nähe der ägyptischen Stadt Nag Hammadi gefunden worden sind, war auch das Thomas-Evangelium. Dieses Evangelium ist den bekannten vier Evangelien sehr ähnlich und wahrscheinlich noch früher als sie entstanden. Die geheimen Jesusworte, die es überliefert, weisen aber in eine radikal andere, eine mystische, geradezu buddhistisch anmutende Richtung. Wie ist dieses Evangelium entstanden? Warum wurde es nicht ins Neue Testament aufgenommen? Und kann es für uns heute noch von Bedeutung sein?

Elaine Pagels bietet nicht nur überraschende Einblicke in ein nahezu zwei Jahrtausende lang verschollenes Evangelium, ihr glänzend geschriebenes Buch ist auch ein sehr persönliches Plädoyer für ein Christentum, das sich auf seine ursprüngliche Weite und Vielfalt besinnt.