Mythen des Alltags (edition suhrkamp)
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Produktbeschreibung
Barthes hebt in seinen 19, in den Jahren 1954-56 entstandenen Essays hervor,dass der Wirklichkeit der zeitgenössischen Medien durch Zeichen eine Natürlichkeitverliehen werde, welche die geschichtlichen Grundlagen gesellschaftlicherEntwicklungen leugne. So kritisierte er in seinem Text über die PariserFotoausstellung Die große Familie der Menschen den gesetzten Mythos eineridentischen Natureigensinnigen Haarfransenrömische ...
Produktinformation
- Amazon-Verkaufsrang: #54070 in Bücher
- Veröffentlicht am: 1964-10-28
- Einband: Taschenbuch
- 168 Seiten
Aus der Amazon-Redaktion
Buch der 1000 Bücher
Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Mythen des Alltags
OA 1957 DE 1964Form Sachbuch Bereich Soziologie
Was haben Beefsteak und Pommes frites, Albert Einsteins Gehirn und Citroën, Plastik, Jean Racine und der Striptease gemeinsam? Die auf den ersten Blick banalen Erscheinungen der Medien sind die Mythen des Alltags, deren Zeichencode Roland Barthes in seinen Untersuchungen zu entziffern suchte. Darüber hinaus entwickelte er die Zeichentheorie des Linguisten Ferdinand de Saussure (1857–1913) weiter und stellte die Verkettung von Konsumwelt und (sozialen) Machtverhältnissen dar.
Inhalt: Barthes hebt in seinen 19, in den Jahren 1954–56 entstandenen Essays hervor, dass der Wirklichkeit der zeitgenössischen Medien durch Zeichen eine Natürlichkeit verliehen werde, welche die geschichtlichen Grundlagen gesellschaftlicher Entwicklungen leugne. So kritisierte er in seinem Text über die Pariser Fotoausstellung Die große Familie der Menschen den gesetzten Mythos einer »identischen Natur«, der den verschiedenartigen Völkern auf den Fotos unterstellt wird. Durch die Gleichsetzung der Menschen würde die historische Bedingtheit der gegenwärtigen Situation (Kindersterblichkeit, Arbeitsbedingungen etc.) geleugnet. Mit Beispielen aus allen Lebensbereichen wird dem Leser deutlich gemacht, dass das Schweigen über bestimmte Sachverhalte und die vereinfachende Gleichsetzung komplizierter Phänomene einer Leugnung derselben gleichkommt.
Anhand des Titelbildes eines Magazins, das einen schwarzen Soldaten in französischer Uniform beim Salutieren vor der Trikolore zeigt, erklärt Barthes die fortwährende Bestätigung und Verteidigung des französischen Kolonialismus durch die Gesellschaft sowie die Tatsache, dass alles zum Mythos werden kann, wenn sich die Gesellschaft diesen Mythos zum Zweck einer bestimmten Botschaft aneignet.
Um ursprüngliche Zusammenhänge aufzulösen und dem Leser eine neue, unverbrauchte Sehweise zu ermöglichen, die den behandelten Gegenstand schließlich aus dem Bann des Mythos befreit, zieht Barthes in seinen Essays ungewöhnliche Vergleiche. Das Zeichensystem des Autos setzt er mit dem der großen gotischen Kathedralen gleich, aus Plastik wird bei ihm eine alchimistische Substanz.
In einem Essay widmet er sich dem Gesicht der Garbo, in einem anderen den »eigensinnigen Haarfransen«, die Die Römer im Film als Zeichen ihrer Herkunft tragen. Neben den Haarfransen sei das unaufhörliche Schwitzen des »römischen Volkes« ein »bastardhaftes Zeichen« für die »Intensität seiner Erregung und die rohe Natur seines Standes«. Mit solchen Beispielen zeigt Barthes, wie die Zeichen der Alltagsmedien übertreiben und zugleich doch ergänzungsbedürftig sind.
Wirkung: Barthes hat es mit seiner humorvollen Analyse populärer »Mythen« geschafft, die Grenze zwischen Hoch- und Massenkultur zu durchbrechen sowie eine breite Leserschaft für sich zu gewinnen. Die von ihm entwickelte Zeichentheorie hat internationale Anerkennung gefunden. Wissenschaftler und Schriftsteller wie Umberto R Eco und der US-amerikanische Körperzeichenanalytiker Greil Markus (*1945) wurden durch seine Schriften beeinflusst. Barthes regte die Erforschung der Volkskultur in den europäischen und US-amerikanischen Kulturwissenschaften entscheidend an. S. H.
Kurzbeschreibung
Die in den Mythologies angewandte Methode kritischer Befragung gesellschaftlicher Verhältnisse hat Schule gemacht, in Frankreich und anderswo. Barthes untersucht Gewohnheiten und Leitbilder menschlichen Zusammenlebens, das Funktionieren sozialer Symbole, Sprache und Mythen des Alltags. Indem er analysiert, was sich scheinbar von selbst versteht, benennt er den ideologischen Mißbrauch, der im nur Selbstverständlichen sich verbirgt.
Über den Autor
Roland Barthes wurde am 12. November 1915 in Cherbourg geboren und starb am 26. März 1980 in Paris an den Folgen eines Verkehrsunfalls. Er verlor früh seinen Vater im Ersten Weltkrieg und zog 1924 mit seiner Mutter von Bayonne im Südwesten Frankreichs nach Paris, wo er eine schulische Ausbildung am Lycée Montaigne (1924-1930) und später am Lycée Louis-le-Grand (1930-1934) genoss. Nach dem Abitur studierte er ab 1934 an der Sorbonne Klassische Literatur und war als Liebhaber des Theaters Mitbegründer einer Studentengruppe für antikes Theater, das die klassischen Stücke jeweils in den Originalsprachen aufführte. Barthes vielversprechende akademische Laufbahn wurde häufig unterbrochen, da er bis 1947 wiederholt schwere Anfälle von Lungentuberkulose hatte, die letztlich dazu führten, dass ein Lungenflügel sich nicht mehr erholte. Seinen akademischen Abschluss machte er 1939 in Klassischer Literatur mit einer Abschlussarbeit zur griechischen Tragödie. In Essais critiques beschäftigt sich Barthes mit dem avantgardistischen Theater. Prägend für ihn waren unter anderem Brecht, Gide, Marx, de Saussure sowie Jacques Lacans. Zudem war Barthes ein musikbegeisterter Mensch, vor allem als Pianist und Komponist.
